Vorläufiger Scoutbericht:

Alphonso Davies (17) - Mehr als nur ein Freddy Adu?

Alphonso Davies‘ rapide Entwicklung letztes Jahr innerhalb der Reihen Vancouvers kann man mit einem Alter von unglaublichen 15 Jahren gewiss als kometenhaft bezeichnen. Das Jahr 2016 begann der in Liberia geborene Davies als unbekannter Trainingsteilnehmer im Rahmen des Sichtungstrainings des Klubs, um nur kurze Zeit später für einen riesigen Hype in British Columbia zu sorgen, der in der Regel den Eishockeyspielern vorbehalten bleibt. Besonders für einen jungen Afrikaner, der mit seinen Eltern vor dem Bürgerkrieg flüchten musste, ein absolutes Glücksgefühl!
Auch wenn das einstige Wunderkind Freddy Adu sein MLS-Debüt gar noch früher gab als Davies, begeistert dieser jetzt schon die Fußballfans mit seinem atemberaubenden Einsatz in einer Liga, die seit Adus letztem Einsatz beeindruckend an Qualität gewonnen hat. Sein entscheidendes und spätes Tor (plus Vorlage) gegen Sporting Kansas City in der CONCACAF Champions League 2016 stand nicht nur für seinen endgültigen Durchbruch, sondern auch für den Beginn einer neuen Ära eines wahren Ausnahmetalents in Vancouver. Egal, wo der elektrisierende Flügelstürmer seine Zukunft sieht, die Eliteklubs der Premier League (wie z.B. Manchester United oder der FC Liverpool) haben ihn bereits als das größte Talent der MLS ausgemacht und buhlen schon reichlich um seine Dienste.

Das junge Alter wird bei einer unreifen Spielanlage gerne als Entschuldigung genommen, jedoch besticht der quirlige Offensivmann mit guten und reifen Entscheidungen auf dem Platz. Es ist kaum zu fassen, wie anspruchsvoll und vielseitig sein Spiel für sein sehr junges Alter bereits ist. Mit seiner Physis und enormen Schnelligkeit befreit er sein Team häufig vom Pressing des Gegners und sorgt immer wieder dafür, dass die gegnerischen Defensivreihen durch seine spektakulären Dribblings auseinandergezogen werden. Davies‘ größte Stärke neben den eben genannten Attributen ist jedoch seine Spielintelligenz und sein Stellungsspiel, wofür Spieler seines Alters mehrere Jahre benötigen, um dies zu meistern. Er schafft es mit auffallender Regelmäßigkeit, sich im Zentrum selbst auf engstem Raum zwischen Sechsern und Innenverteidigern so zu bewegen, dass er anspielbar bleibt. Das eröffnet ihm anschließend jede Menge Optionen, um den Gegner schwer zu verwunden. Wenn er über den Flügel kommt, zieht er oftmals den Außenverteidiger weit aus dem Zentrum und schafft damit Räume für seine Mitspieler. Durch seine klugen Laufwege kreiert er nicht nur Chancen für sich selbst, sondern ebenso für seine Mitspieler.

Dank seiner Flexibilität bietet er Whitecaps-Coach Carl Robinson die Möglichkeit, während des Spiels die Taktik variieren zu können, denn der junge Linksfuß kann nicht nur auf dem Flügel auflaufen, sondern ebenso als Zehner oder gar als Mittelstürmer.
Zudem gilt er als extrem bodenständig, was bei seinem momentanen Hype nicht selbstverständlich ist. Er wirkt auf dem Platz äußerst selbstbewusst und zeigt keinerlei nervöse Momente, was von absoluter mentaler Stärke zeugt und demonstriert, dass der Bürgerkrieg ihn in diesem Sinne abgehärtet hat. Besonders beim Gold Cup konnte der junge Kanadier zahlreiche Scouts mit drei Toren in vier Spielen beeindrucken und sein immenses Potential auch auf internationaler Ebene bestätigen.
Derzeit sind die Whitecaps aus Vancouver sicherlich der beste Ort für den Flügelmann, um weiterhin kontinuierlich zu wachsen. Mit Trainer Robinson, der für das Motto „es gibt nur gute oder schlechte Spieler“ bekannt ist, hat er ebenso einen Förderer, der keine Angst hat, weiterhin auf sehr junge Spieler zu setzen. Wir werden voller Spannung seine Entwicklung mit Argusaugen verfolgen und spätestens bei einem Wechsel nach Europa einen ausführlichen Scoutbericht für euch anfertigen.


Autor: Sascha Baharian/ Stand: 03.12.2017