Stand: 23.05.2017/ Bild: wikimedia.org

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Allgemeines: Bereits beim Text zu Andrea Petagna erzählten wir euch von den Künsten von Atalanta-Coach Gan Piero Gasperini, der in Italien dafür bekannt ist, junge Spieler optimal zu fördern und sie in ihrer Entwicklung enorm weiterzubringen. Andrea Conti ist ein erneutes Paradebeispiel dafür!

Conti entstammt der renommierten Talentschmiede Atalantas, welche sich das Modell Ajax' zum Vorbild nimmt. 2013 wurde der 1,84m Mann in den Profikader berufen, aber erst einmal zum AC Perugia Calcio verliehen, damit er in der Lega Pro Prima Divisione, Italiens dritter Liga, Spielpraxis sammeln kann. Mit ihnen gewann er die Meisterschaft und die Suppercoppa di Lega di Prima Divisione. Jedoch wurde er in der Zeit, als er bei Perugia war, nicht für die Juniorenteams der Azzurini nominiert, nachdem er für die U17 und U18 regelmäßig nominiert wurde.

Rückkehr zu Atalanta

2014 kehrte er also zurück zu den Bergamasken, die sich jedoch entschieden, den Rechtsfuß in die Serie B an SS Virtus Lanciano zu verleihen, damit er langsam an die Serie A herangeführt wird. Er absolvierte 24 Zweitligaspiele und konnte sich so gut weiterentwickeln, dass man nach seiner Rückkehr zu Atalanta entschied, ihn zum festen Bestandteil des Serie A-Kaders zu machen. Ebenso wurde er auch wieder für die U20 der Italiener nominiert! Zu Beginn hatte er eine frustrierende Hinrunde ohne Einsätze, doch dann gab er am 06.12.2016 endlich bei der 1:2-Niederlage gegen Udinese Calcio sein Debüt. In der Rückrunde kam er dann zu ordentlichen 13 Einsätzen, in denen er zwei Tore erzielen konnte und schon andeutete, welch Offensivpotenzial in ihm steckt.

In der aktuellen Saison konnte er endlich Stammspieler beim überraschenden Euro League-Teilnehmer werden und sich im 3-5-2-System bei Atalanta auf der rechten Außenbahn festspielen. Hier spielt Gasperini eine entscheidende Rolle, da er den Mut hatte, nach dem schwachen Anfang der Saison, als er nach fünf mageren Partien kurz vor dem Rausschmiss stand, verstärkt auf Jugendspieler zu setzen.
Nun ist der Norditaliener mit acht erzielten Treffern und fünf Assists der torgefährlichste Außenverteidiger der fünf europäischen Topligen und wird von sämtlichen Topklubs gejagt.
Giampiero Ventura nominierte Conti im Frühjahr bereits für die A-Nationalmannschaft, in der er bis dato noch nicht zum Einsatz kam, aber in Zukunft noch sehr wichtig werden könnte.



Stärken: Die Paradedisziplin des 23-Jährigen ist definitiv das Abfangen von Bällen, denn er antizipiert pro Spiel 2,3 Bälle und liegt damit nur 0,1 Bälle hinter Chelseas N‘Golo Kanté. Diese hohe Abfangrate hat er seiner Fähigkeit das Spiel lesen zu können zu verdanken. Die zweite große Stärke des gebürtigen Lecchesa ist seine enorme Qualität gegen den Ball, denn er gewinnt 76% seiner Tacklings, 49% seiner Zweikämpfe und ist sogar in der Luft mit 53% gewonnenen Kopfballduellen sehr effektiv für einen Flügelspieler.

Ist der Gegner im Ballbesitz, lässt Gasperini mit einer 5er-Kette verteidigen, die meistens anfällig zwischen den äußeren Innenverteidigern und den Flügelverteidigern ist. Conti besitzt jedoch eine so hohe taktische Disziplin, dass er die Lücken gut zu läuft und auch in vielen anderen Situationen ein gutes Stellungsspiel zeigt. Bei Ballbesitz ist er eine sehr sichere Anspielstation, denn er verliert den Ball äußerst selten, da er stets die Ruhe behält und seinen Körper geschickt in den Mann reinstellt.

Das offensivstarke Ausdauermonster

Er besitzt ebenso eine extreme Ausdauer, da er bei den Bergamasken der einzige Spieler im 3-5-2-System auf rechts ist und daher die ganze Außenbahn beackern muss. Oftmals ist er aber dann doch in den entscheidenden Situationen präsent, da er mit seiner Schnelligkeit oft zwischen Offensive und Defensive pendeln kann. In der Offensive ist er äußerst stark und vor allem sehr torgefährlich. Er macht mit seinen acht Toren, seinem starken Stellungsspiel und seinem kalten Abschluss manch einem Mittelstürmer Konkurrenz. Klingt unglaublich, aber Conti hat mit einer Abschlussquote von 27% eine bessere Chancenverwertung als Bayerns Robert Lewandowski (22%). Zudem ist er mit seiner Kreativität in der Lage, jederzeit Chancen zu kreieren. Mit 21 tödlichen Pässen an der Zahl ist er der zweitbeste U23-Spieler der Serie A hinter Milans Suso, der allerdings auch Flügelstürmer ist.


Schwächen: Trotz seiner Beweglichkeit könnte sich Conti noch im offensiven 1-gegen-1 verbessern, er kann zwar mit guten Finten seine Gegenspieler auf Distanz halten, aber im Versuch, sie auszudribbeln, scheitert er noch zu oft. Mit dem Wert von 15 erfolgreichen Dribblings in 32 Spielen lässt sich diese Schwäche belegen. Doch die Ballverluste, die daraus resultieren, führen in der Regel nichr zu gefährlichen Kontern, da er genau weiß, in welchen Situationen er ins Dribbling gehen darf.
Für einen Außenverteidiger sind Flanken schlagen zu können eine wichtige Eigenschaft. Diese sollte er ebenso dringend verbessern, denn bisher fanden nur 14% seiner Flanken einen Abnehmer.
Zuletzt geht Conti auch ein wenig zu hart in die Zweikämpfe, was beispielsweise ein Ghoulam von Napoli erfahren musste, der per Karatekick niedergestreckt wurde. Conti sah in der Saison 11 gelbe Karten.


Prognose: Conti’s großer Traum ist es, für einen großen Klub spielen zu dürfen: „Die Gerüchte machen mich glücklich. Für einen großen Klub zu spielen, ist ein Kindheitstraum, aber momentan bin ich glücklich in Bergamo und es wäre schwer für mich, zu gehen.“ Ob er wirklich widerstehen kann, wird sich diesen Sommer offenbaren, denn dann wird mit Sicherheit der ein oder andere Topklub anrufen.
Momentan ist er definitiv einer der gefragtesten Rechtsverteidiger Europas und hat das Potenzial, bei einem Topklub Fuß fassen zu können. Wenn er in sein Flankenspiel mehr Präzision rein bekommt, ist er ein kompletter Rechtsverteidiger mit dem Abschluss eines Torjägers. Dies ist ein Paket, was den bescheidenen Italiener zu einem der besten Rechtsverteidiger Europas machen könnte. Langsam und stetig zu wachsen ist meistens gesünder, daher macht er nichts falsch, wenn er ein weiteres Jahr in der Lombardei kickt und erste Erfahrungen in der Europa League sammelt.

Autor: Sascha Baharian/ Stand: 23.05.2017

Alle Fähigkeiten auf einen Blick:

Bild: pixabay.com