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Cristian Pavón (22) - Argentiniens Antwort auf Di Maria?

Argentiniens Offensive gehört zweifellos zur „Créme de la Créme“ des internationalen Weltfußballs. Neben dem mehrfachen Weltfußballer Lionel Messi kann Nationaltrainer Jorge Sampaoli auf weitere Weltstars wie Sergio Agüero, Angel di Maria oder einen Gonzalo Higuain vertrauen. Umso überraschender, dass es ein 22-jähriges, bis dato weniger bekanntes, Talent in den Kader für die WM 2018 geschafft hat. Es handelt sich um Boca Juniors‘ Rechtsaußen Cristian Pavón.

Aufgrund einer überragenden Saison für den ehemaligen Club von Diego Armando Maradona war der Coach der „Albiceleste“ förmlich gezwungen den Jungspund einzuladen. „Pavón ist ein Spieler, der uns für die WM begeistert“, gab der frühere Chile-Coach enthusiastisch zu Protokoll. Denn der 1,67 Meter kleine Gaucho sorgte mit 23 Scorerpunkten in 33 Einsätzen für mehr als überzeugende Argumente für das Loblied.

Traumdebüt gegen Russland

Im November letzten Jahres durfte das 65 Kilogramm leichte Fliegengewicht sein Debüt gegen das WM-Gastgeberland feiern. Pavon wurde 15 Minuten vor Schluss beim Spielstand von null zu null aufs Feld entsendet. Nur fünf Minuten später spielte er einen wunderschönen Doppelpass mit Lionel Messi und bereitete das Siegtor von Sergio Agüero mit einer präzisen Hereingabe vor. Im darauffolgenden Test gegen den dreifachen Afrikameister Nigeria verloren die Südamerikaner zwar mit 2:4, jedoch konnte der kleine Tempodribbler gegen die „Super Eagles“ mit einem weiteren Assist auf Agüero gar den Grundstein für sein WM-Ticket legen.

Bei all den schönen Fakten über seinen Werdegang fragst du dich jetzt sicherlich „wo kommt der Kerl her?“. Pavón wurde in der argentinischen Millionenstadt Córdoba geboren, welche nicht nur für ihre Architektur im Stil der spanischen Kolonialzeit bekannt ist, sondern auch als Brutplatz für vielversprechende Fußballtalente gilt. Denn neben unserem Protagonisten entstammt beispielsweise ebenso Juves Paulo Dybala der Metropole aus der gleichnamigen Provinz.  

Nur sechs Monate Überzeugungszeit

Ähnlich wie der Juve-Stürmer startete der Youngster in einer Amateur-Liga, wechselte im zarten Alter von 16 Jahren in die erste Mannschaft von Talleres und debütierte ein Jahr später vor seinem 18. Geburtstag in der Nacional B – Argentiniens zweiter Liga. Der Youngster brauchte nur sechs Monate, um die Boca-Bosse davon zu überzeugen, sich mit drei Millionen US-Dollar seine Dienste zu sichern.

Relevant wurde er für den Traditionsclub, welcher in „La Bombonera“, dem stimmungsvollsten Stadion Südamerikas seine Heimspiele austrägt, erst nach einer Leihe zu Ligakonkurrent Colón. Dort übertraf er alle Erwartungen und avancierte mit neun Toren und zehn Assists zum wertvollsten Spieler und war somit einer der Hauptgaranten für den Titelgewinn in Argentiniens höchster Spielklasse 2016/17!


Stärken:

Der quirlige Gaucho ist ein sehr vielseitiger Spieler, welcher nicht nur auf der rechten Außenbahn, sondern auch im offensiven Zentrum agieren kann. Der Rechtsfuß besitzt die Gabe, sich optimal mit seinen Vorderleuten abzustimmen, sodass er fast immer anspielbar wirkt. Pavón versteht es in Perfektion, den freien Raum zu attackieren und dadurch hinter die gegnerische Abwehr zu gelangen. Darüber hinaus ist das Dribbling eine weitere Attraktion, die der Flügelmann zu bieten hat. In der abgelaufenen Primera Division überlistete der Offensivspezialist 66 Mal in 26 Ligapartien seine Opponenten und kam dadurch erst in die aussichtsreiche Lage seine zahlreichen Assists zu sammeln.

Pavón liebt es seine Gegenspieler in hohem Tempo, den Ball eng am Fuß, anzulaufen, um dann durch eine blitzschnelle Körpertäuschung diese zu überwinden. Aufgrund seiner enormen Geschwindigkeit ist er oftmals auch in der Lage, mehrere Spieler auf einmal, ohne sich seines fintenreichen Dribblings überhaupt bedienen zu müssen, stehen zu lassen. Dabei legt er sich das Spielgerät einfach sehr weit vor und überläuft seine Kontrahenten mit Leichtigkeit.

Der perfekte Assistgeber

Seine effektiven Laufwege und seine exzellenten Dribblings sind das Fundament dafür, dass er wettbewerbsübergreifend zwei tödliche Pässe pro Spiel abgeben konnte, welche wie bereits erwähnt in elf direkte Vorlagen mündeten.

Seine messerscharfen Hereingaben sind eine weitere Fähigkeit, die den jungen Argentinier zu einem hervorragenden Vorbereiter macht. Selbst wenn seine Mitspieler in der Box nur einen Quadratzentimeter Platz haben und nur 1,20 Meter groß sind, Pavón wird sie finden und sie wie ein Kellner eines Luxusrestaurants adäquat bedienen.

Was das südamerikanische Talent jedoch zu einer richtigen Offensivwaffe macht, ist, dass er gleichermaßen aus der Distanz gefährlich werden kann. Bestaunen durfte man dies zum Beispiel Anfang April dieses Jahres in der Copa Libertadores gegen Junior, als er den Ball gefühlvoll vom linken Sechzehnerrand flach ins lange Eck schlenzte. Darüber hinaus ist der Mann mit der Rückennummer sieben trotz seiner geringen Größe außerordentlich standfest und mit fairen Mitteln sehr selten vom Ball zu trennen.


Schwächen:

Die Erfahrung zeigt, dass junge Spieler häufig Defizite in Sachen Kaltschnäuzigkeit aufweisen. Ebenso der Neunationalspieler, welcher gerne mal die ein oder andere Großchance liegen lässt und daher im mentalen Bereich über Verbesserungspotenzial verfügt.

Seine eher mittelmäßige Passquote von 74% mündet aus seinen teilweise schlampigen Ballabgaben, die er sich primär im Aufbauspiel leistet. Zudem rennt er bei gegnerischen Ballbesitz seine Gegenspieler meist in sehr hohem Tempo an, was es sehr einfach macht ihn auszuspielen und er es dann trotz seiner Schnelligkeit nur schwer wieder hinter den Ball schafft.


Prognose:

Cristian Pavón gehört zusammen mit Lautaro Martinez zweifellos zu den größten Talenten Argentiniens. Während Letzterer seine Zelte zukünftig wohl bei Inter Mailand aufschlagen wird, steht hinter der Zukunft des Boca-Juwels noch ein großes Fragezeichen. Arsenal, Juventus und nun auch Paris Saint Germain gehören zu den größten Interessenten um den Boca-Rookie, welcher seinen Herzensverein jedoch nicht für eine vergleichsweise geringe Ablöse verlassen möchte, wie der Berater des Ausnahmetalents vor kurzem bestätigte:

„Wir sind stolz, dass Boca die Klausel anheben will.“ Allerdings müssen dafür auch die Vertragsbedingungen wesentlich verbessert werden. Er fügte hinzu, dass der Spieler den Vertrag durch Anwendung der Klausel niemals einseitig kündigen würde: „Wir werden Boca nicht durch die Hintertür verlassen.“

Damit wird die bisherige Ausstiegsklausel laut argentinischen Medien von 28,8 Millionen auf knapp 43,3 Millionen Euro ansteigen. In der heutigen Zeit der explodierenden Ablösesummen kann man getrost sagen, dass das enorme Potenzial des vielseitigen Offensivtalents diese Forderung rechtfertigt, da er alles mitbringt, die Zukunft der „Albiceleste“ nachhaltig zu prägen. Bei gleichbleibender Entwicklung könnte er nicht nur einer der Protagonisten Argentiniens bei der WM 2022 in Katar werden, sondern auch zur Créme de la Créme der europäischen Topfußballer avancieren.

 Autor: Sascha Baharian/ Stand: 10.06.2018

Alle Fähigkeiten auf einen Blick: