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David Neres (20) – „Der kleine Neymar”


Allgemeines: In Brasilien werden besonders junge Spieler schon sehr früh ins Rampenlicht katapultiert, obwohl sie zum Teil noch gar nicht bereit dafür sind. Verhältnismäßig viele von diesen kommen damit leider nicht klar und verschwinden in der Bedeutungslosigkeit. Manche schaffen es jedoch mit dem Druck umzugehen und überzeugen bereits sehr früh auf hohem Niveau und genau das bringt uns zum in Brasilien schon hochgelobten David Neres Campos. Der U20-Nationalspieler Brasiliens wird aufgrund seiner atemberaubenden Fähigkeiten sogar schon als „der kleine Neymar“ bezeichnet. Ob dies gerechtfertigt ist oder nicht könnt ihr am Ende für euch selbst entscheiden.

Alles begann im Alter von 10 Jahren, als der talentierte Linksfuß sich der Jugend des FC Sao Paulo anschloss. Dieser Schritt war ein wenig vorhersehbar, denn sein Vater ist großer Fan des brasilianischen Erstligisten und hatte schon immer den Traum, dass sein Sohn mal für diesen Klub auflaufen wird. Im Sommer 2016 wurde er dann letztendlich in die Profimannschaft hochgezogen. Dank guter Leistungen in seinen ersten paar Einsätzen wurden schon sehr schnell die ersten ausländischen Vereine auf ihn aufmerksam und er hatte die Wahl, ob er sich erst in Brasilien etablieren oder den nächsten Schritt wagen will.

Entscheidung für Wechsel nach Europa

Am Ende entschied sich der Rechtsaußen dazu, den Wechsel nach Europa zu wagen und sein Verein schien kurzer Zeit offen zu sein. Grund dafür war das Interesse des FC Porto sowie von Ajax Amsterdam. Am Ende fiel seine Wahl im Januar 2017 zugunsten des niederländischen Top-Klubs aus Amsterdam aus und er schloss sich dem Traditionsverein für eine Ablösesumme in Höhe von rund 12 Mio. € an, die durch gewisse Klauseln noch auf 15 Mio. € ansteigen kann. Sportchef Overmans zeigte sich äußerst erfreut über den geglückten Transfer: „Er ist eines der größten Talente Südamerikas. Es ist wunderbar, dass er sich für Ajax entschieden hat. Neres ist zwar erst 19 Jahre alt und wird ein wenig brauchen, um sich einzugewöhnen, aber ich gehe davon aus, dass wir bereits in dieser Saison unsere Freude an ihm haben werden." Aber nicht nur er zeigte sich erfreut, sondern auch Neres selbst: „Zuerst war ich ein wenig im Schockzustand, als ich erfahren habe, dass der Wechsel perfekt ist. Aber die Freude, bei diesem Verein und in diesem schönen Land zu spielen, überwiegt eindeutig.“


Wenig Eingewöhnungszeit

In der Tat brauchte der als sehr schüchtern und zurückhaltend geltende Offensivspieler nicht lange, um sich an das neue Umfeld zu gewöhnen und war schnell in der Lage, den Fans sein Potenzial auf dem Platz zu zeigen. Aufgrund seiner gezeigten Leistungen wurde auch der damalige Ajax-Trainer Peter Bosz auf ihn angesprochen und kam aus dem Loben gar nicht mehr heraus: „Er versteht immer mehr wie wir pressen wollen. Es beginnt alles vorne mit den Angreifern. Er hat zuletzt einen sehr guten Eindruck gemacht. Neres hat eine exzellente Technik, ist ein smarter Fußballer und nimmt Dinge schnell auf. Er muss noch eine Menge lernen, auch noch wie wir spielen wollen.“

Seit dieser Saison ist der 20-Jährige unumstrittener Stammspieler bei Ajax und hat auch durch die Spielpraxis mehr als nur einen Schritt nach vorne gemacht. In 22 Pflichtspielen gelangen ihm bislang sage und schreibe 9 Tore und 12 Vorlagen, die ihn zu einem der Topscorer seines Klubs machen. Doch diese Statistiken wecken natürlich Begehrlichkeiten bei so manch anderem Top-Klub. So sollen nun mit dem FC Arsenal London, den Tottenham Hotspur, Manchester United sowie dem AC Mailand durchaus bedeutende Vereine an ihm dran sein. Jedoch sollen nur die Italiener den Transfer zeitnah realisieren wollen, die anderen Vereine gelten derzeit lediglich als Beobachter der Situation.

Nicht nur andere Klubs beobachten gespannt seine Entwicklung, sondern auch der Nationaltrainer Brasiliens, Tite, wie er Ende letzten Jahres in einem Interview sagte. Er sieht in Neres eines der größten Talente der Nation und stellte ihm auch eine Nominierung für die WM 2018 in Russland in Aussicht, sofern er seine Form halten und seine Leistungen bestätigen kann. Seitdem Tite dies sagte, scheint Neres nochmal eine Spur motivierter zu sein und sich gefühlt von Woche zu Woche steigern.

 

Stärken: Doch was macht diesen jungen Brasilianer so besonders, dass diese ganzen Top-Klubs Interesse an ihm zeigen? Hervorheben sollte man auf jeden Fall seine beiden mit Abstand größten Vorzüge. Die erste große Fähigkeit, mit der Neres Spiele maßgeblich beeinflussen kann, ist definitiv sein exzellentes Dribbling. Dafür benötigst du zuerst einmal eine gewisse Ballbehandlung und -kontrolle, über die er auch auf jeden Fall verfügt. Ihn am Ball zu sehen ist nämlich eine wahre Augenweide, damit bedient er auch das klassische Vorurteil bei Brasilianern. Zudem solltest du relativ schnell sein, Neres dagegen verfügt besonders über einen explosiven Antritt und noch dazu eine unfassbare Beweglichkeit, denn durch seinen niedrigen Körperschwerpunkt gerät er so gut wie nie aus der Balance und wird mittels seiner kurzen und schnellen Bewegungen sehr unberechenbar. In vielen Momenten ist er deswegen nämlich für einen schnellen Richtungswechsel oder eine Körpertäuschung gut. Auch den ein oder anderen Trick solltest du für dein Dribbling natürlich beherrschen und da wir hier über einen jungen brasilianischen Offensivspieler sprechen, sollte schon jetzt klar sein, dass er auch den einen oder anderen Trick in seinem Repertoire hat, um seinen Gegenspielern förmlich Knoten in die Beine spielen zu können. Seine Quote an erfolgreichen Dribblings liegt in der laufenden Saison bislang höher als beispielsweise die von einem gewissen Star namens Lionel Messi, auch daran kann man also seine hohe Qualität in Eins gegen Eins Situationen erkennen.

Magier am Ball

So und was unternimmst du jetzt, um einen Mann wie Neres zu stoppen, dessen erster Ballkontakt schon hervorragend ist, weswegen ihm auch nur selten Bälle verspringen, der extrem dribbelstark, trickreich, schnell und dazu auch noch sehr beweglich ist? Richtig, du siehst in vielen Situationen sehr wahrscheinlich kein Land und ziehst den Kürzeren gegen den Magier am Ball. Seine bevorzugten Aktionen sind es übrigens entweder wie der Niederländer Arjen Robben vom rechten Flügel ins Zentrum zu ziehen oder auf außen bis zur Torauslinie vorzudringen und anschließend einen flachen Ball in den Strafraum zu spielen.

Seine zweite herausragende Fähigkeit betrifft sein Passspiel und eine genauere Ausprägung davon. Neres besitzt nämlich die Gabe, ein Spiel lesen zu können und verfügt damit auch über eine ihm helfende Spielintelligenz. Anstatt beispielweise wie viele junge Spieler oft nur den direkten Weg in Richtung gegnerisches Tor zu suchen und so vielleicht auch den Kopf zu verlieren, weiß er immer um seine Alternativen in der jeweiligen Spielsituation Bescheid und ist auch in der Lage, meistens die sinnvollste davon auszuwählen.

Der Rechtsaußen lässt sich so auch gerne ins Mittelfeld fallen, zieht mit seinen Mitspielern ein schnelles Kurzpass- beziehungsweise Kombinationsspiel auf und schafft so Räume, um gemeinsam mit den anderen Offensivspielern auch in diese vordringen zu können. Außerdem sieht er Lücken für Schlüsselpässe, die andere nicht auf dem Schirm haben, und bedient so seine Kollegen oft im perfekten Moment mit einem präzisen Pass, anstatt selber abzuschließen. Dies spricht auch für seine Kreativität und vor allem auch für seine Übersicht besonders im letzten Drittel, dem Angriffsdrittel, unmittelbar vor dem gegnerischen Tor.

Ungemein torgefährlich

Dem Gegner kann er aber selbstverständlich auch selbst durch seinen guten Abschluss Schaden zufügen, denn sein Zug in Richtung gegnerisches Tor ist bemerkenswert. Im Gegensatz zu vielen anderen Talenten ist er nämlich, wie schon erwähnt, abschlussstark und behält die Übersicht über die gegebene Spielsituation. Deswegen bleibt er auch an schlechteren Tagen meistens lange auf den Platz, da er auch dann noch für einen Treffer oder eine Vorlage gut ist. Erwähnen muss man in dem Sinne, dass er sich durch kluge Bewegungen sehr oft in optimale Abschlusspositionen bringen kann und sich nach einem Abspiel direkt für den nächsten Pass in Stellung begibt.

Wer jetzt denken könnte, dass er durch sein außergewöhnliches Dribbling sowie sein Tempo den direkten Zweikämpfen nur entgeht und sich ansonsten eher weniger durchsetzen kann, der liegt falsch. Mit rund 47% gewonnenen Zweikämpfen in der laufenden Saison ist er vergleichsweise sogar sehr zweikampfstark für einen Offensivspieler und kann sich sehr wohl durchsetzen.

 

Schwächen: Doch der Brasilianer besitzt natürlich noch ein paar Sachen, an denen er noch arbeiten kann, wenn nicht sogar muss. Wegen seiner Größe von nur 1,75m ist er dementsprechend kopfballschwach, weswegen er in der Luft kein Faktor und damit nicht zu gebrauchen ist. Auch seine Flanken beziehungsweise Hereingaben kann er noch verbessern, denn diesen könnte noch ein wenig mehr Präzision helfen, für noch mehr Gefahr zu sorgen. Seine Defensivarbeit ist ein weiterer Schwachpunkt, denn er könnte definitiv viel mehr nach hinten tun und mitarbeiten, um seine Mitspieler zu unterstützen und seinem Team in der Rückwärtsbewegung zu helfen. Zu guter Letzt muss man noch sein Temperament erwähnen, denn das geht hin und wieder mit ihm durch und verleitet ihn zu vielen kleineren Fouls. Diese sind zwar überwiegend nicht gerade schlimm oder besonders hart, jedoch sehr unnötig und definitiv vermeidbar.


Prognose: Neres hat sich nach seinem Wechsel aus seinem Heimatland Brasilien ins niederländische Amsterdam erstaunlich schnell akklimatisieren und seine Spielweise anpassen können, wodurch er schnell eine wichtige Rolle im Team des damaligen Trainers Peter Bosz einnehmen konnte. Bosz wiederum spielte auch eine große Rolle in seinem Anpassungsprozess, denn er baute Neres gekonnt ins Team ein und verschaffte ihm zudem die notwendige Spielpraxis. Schon in den wenigen Einsätzen nach seinem Wechsel in der Rückrunde der Saison 2016/2017 konnte er sowohl die Fans als auch die Mitspieler beeindrucken und sogar Spiele entscheiden.

In der laufenden Saison konnte Neres bislang sogar nochmal mindestens eine Schippe drauflegen und die gegnerischen Verteidiger reihenweise stehen lassen. Diese Leistungssteigerung schaffte er, obwohl Ajax keine allzu leichte Saison spielt und mit Erik ten Hag bereits auf den dritten Trainer in dieser Saison setzt. Diese starken Leistungen bringen ihn natürlich bei vielen starken und vor allem größeren Klubs ins Gespräch. Im Umfeld von Ajax ist den Meisten jetzt schon klar, dass man den jungen Brasilianer wohl nicht mehr lange halten kann, denn die Vergleiche mit Neymar sind nicht von allzu weit hergeholt und der Wechsel in eine der europäischen Top-Ligen wird auch der nächste und absolut logische Schritt für ihn sein. Somit scheint lediglich der Zeitpunkt des Wechsels noch offen zu sein.

In nächster Zeit sollte sich Neres jedoch weiter auf Ajax konzentrieren und die Saison dort erfolgreich zu Ende spielen, bevor er sich Gedanken über einen Wechsel macht, denn mit einer konstant starken Saison über die komplette Distanz wird er ein noch höheres Standing erreichen und noch mehr Interessenten anlocken können. Außerdem hätte er dann wirklich die Chance, tatsächlich noch mit zur WM nach Russland fahren zu können. Wir sehen in ihm jedenfalls das Potenzial, einer der besten Flügelstürmer in Europa werden und zusammen mit Neymar die Flügelzange der Seleção bilden zu können. Ob das allerdings schon bei der diesjährigen WM der Fall sein wird, bleibt indes abzuwarten.

 Autor: Florian Först / Stand: 07.01.2018

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