Stand: 08.12.2017/ Bild: facebook.com/gabigol

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Scoutbericht:

Allgemeines: Technisch starke Brasilianer gibt es vermutlich wie Sand am Meer, aber vor dem gegnerischen Tor so eiskalte Flügelstürmer nur recht selten. Aber es sind noch viel mehr Fähigkeiten, die der 21-jährige Gabriel Barbosa mitbringt und die ihn auszeichnen. Der aus São Bernardo do Campo stammende Linksfuß gilt als eines der großen, aufkommenden Talente Brasiliens, auch wenn es für ihn in Europa bisher noch nicht so richtig geklappt hat. Aber beginnen wir am Anfang der Karriere des brasilianischen Nationalspielers und schauen, wie er seinen Weg bis in die Seleção ging.

Wechsel nach Italien

Bereits im Alter von nur 8 Jahren wurde er von niemand geringerem als Zito entdeckt, einer brasilianischen Legende des FC Santos. Aufgefallen war er diesem, da er den FC Santos damals mit einer beeindruckenden Leistung fast im Alleingang abschoss. Schließlich wechselte er zu eben diesem Klub und blieb ihm lange Zeit auch aufgrund extremer Dankbarkeit treu und gab immer alles. Erst im Sommer 2016 wechselte der Linksfuß nach dem Triumph mit der brasilianischen Auswahl bei Olympia für rund 29,5 Mio. € zu Inter Mailand nach Italien. Über seine Anfangszeit berichtete er sehr euphorisch und stolz: "Es ist mir etwas zu kalt hier in Italien, aber ich bin glücklich. Alle sind sehr hilfsbereit und geben mir Ratschläge. Es ist unglaublich, mit den Superstars zu spielen, die ich zuvor nur von Videospielen kannte! Ich bin absolut begeistert, dass ich das Trikot von Inter tragen darf." Der junge Rechtsaußen wurde in Mailand aber leider nur bedingt glücklich, was an mehreren Faktoren lag. Gabigol, wie er aufgrund seiner knapp 600 Tore im Jugendbereich für Santos auch genannt wird, hatte von seinem Wechsel an einen sehr schweren Stand bei seinem niederländischen Trainer Frank De Boer, da dieser den als eines der talentiertesten Talente weltweit geltenden Spieler nicht verpflichten wollte, bei der Verpflichtung aber letztendlich überhaupt kein Mitspracherecht hatte.

Letztendlich waren beide quasi gezwungen, miteinander zu arbeiten, bei Pflichtspielen spielte Gabriel allerdings so gut wie nie eine wirkliche Rolle. Trotz der relativ zeitigen Entlassung De Boers verbesserte sich Gabriels Position jedoch nicht und auch unter den Nachfolgern des Niederländers wurde er kaum berücksichtigt. Im November 2016 äußerte sich auch Dorival Junior zu seiner Situation, denn der ehemalige Chef des FC Santos soll ihm laut eigener Aussage von einem Wechsel nach Italien abgeraten haben: „Ich sagte ihm nur, dass es für ihn ideal wäre zu bleiben und sich bei Santos weiterzuentwickeln, bevor er ins Ausland geht.“ Im Dezember 2016 folgten dann Aussagen seines Beraters Wagner Ribeiro, dass er mit seiner Einsatzzeit unglücklich sei und man einen Wechsel auf Leihbasis anstrebe.

Suche nach Spielpraxis in Portugal

Vergangenen Winter wurde daraus zwar letztendlich nichts, am Deadlineday der Transferperiode des Sommers 2017 war es dann aber soweit und Benfica Lissabon lieh ihn für eine Saison mit Kaufoption über rund 25 Mio. € aus. Auch Vereine aus Deutschland sollen an einer Leihe interessiert gewesen sein und der Name des VfB Stuttgart tauchte dabei öfters auf, jedoch war die Konkurrenz am Ende für die Schwaben zu groß und ein Transfer aus finanzieller Sicht auch nicht zu stemmen, obwohl auch Gabigol Interesse an der Bundesliga gezeigt haben soll. Über seinen Leihwechsel nach Portugal freute er sich jedenfalls sehr: „Ich bin sehr glücklich bei Benfica zu landen, denn es ist ein großer Klub, der größte Portugiesische und ich hoffe, dass ich dem Team helfen kann.“ Gleichermaßen hofft er jedoch, eines Tages zu Inter zurückkehren zu können und ist begeistert von den Fans: „Die Fans? Ich will ihnen für die Liebe danken, die sie mir entgegenbrachten: Ich liebe sie sehr. Ich mochte Mailand wirklich, deshalb danke ich Inter für die Chance. Ich hoffe eines Tages die Liebe zurückgeben zu können, die ich erhielt. Forza Inter!“

Bei Worten wie diesen ist es auch nicht wirklich überraschend, dass er einer der Fanlieblinge war, denn er war für alles sehr dankbar und versuchte immer, alles zu geben und die bestmögliche Leistung aus sich herauszuholen. Eine Antwort, die er in einem Interview gab, zeigt diesbezüglich seine sehr starke und absolut vorbildliche Einstellung, denn auf die Frage, was seine Stärken sind und ob er irgendeinen Bereich hat, an dem er noch arbeiten muss, antwortete er folgendermaßen: „Irgendeinen? Ich muss mich in allen verbessern. Es gibt auf der ganzen Welt keinen perfekten Spieler. Ich bin immer noch ein Youngster und mir ist bewusst, dass ich in jedem einzelnen Training hart arbeiten muss, um jeden Tag ein besserer Fußballer werden zu können. Es geht dabei nicht nur darum, auf dem Platz alles zu geben, denn es ist auch wichtig, auf den Trainer zu hören.“


Stärken: Seine größte Stärke ist wohl seine Einstellung, die wir zuvor bereits erwähnt haben, denn er gab im Training bei Inter weiterhin alles und versuchte sich wieder in den Vordergrund zu spielen, obwohl er kaum berücksichtigt wurde. Des Weiteren behielt er auch zu seiner Zeit in Brasilien immer den Kopf oben, egal wie schlecht es für ihn und beziehungsweise oder sein Team auch lief, und versuchte immer sein Bestes zu geben.

Flexibilität und hohe Arbeitsrate

Nun kommen wir zu seinen spielerischen Fähigkeiten und sollten erstmal erwähnen, dass sein Trainer ihn in der Offensive aufgrund Gabriels Flexibilität quasi überall auflaufen lassen kann. Durch ständige Positionswechsel im Spiel kann er dadurch auch versuchen, seinem Team in unterschiedlichen Rollen zu helfen und seine Mitspieler zu unterstützen. Er kommt zwar gerne über die Flügel und stößt bei einem möglichen Steilpass direkt in die Tiefe hinter die letzte Verteidigungslinie, um so durch sein Tempo für höchste Gefahr sorgen zu können, jedoch tut er dies nicht das gesamte Spiel über. Durch seine gute Ausdauer ist der recht beidfüßige Rechtsaußen nämlich wie bereits erwähnt auch viel unterwegs und daher für den Gegner unberechenbar.

Wie heutzutage viele Talente bringt auch er die mittlerweile fast notwendige hohe Geschwindigkeit mit, die in Verbindung mit seiner starken Technik optimale Voraussetzungen für sein Dribbling bietet. Durch seine schnelle und flinke Beinarbeit sowie seine typisch brasilianische Ballführung ist er nur sehr schwer vom Ball zu trennen. Dabei sieht es spielerisch leicht und elegant aus, wenn er seine Gegenspieler mal wieder reihenweise einfach stehen lässt. Jedoch ist er nicht nur aufgrund seiner Fähigkeiten im Dribbling und seiner exzellenten Ballkontrolle nur schwer zu verteidigen, denn auch dank seiner Größe verfügt er über eine sehr gute Balance und eine ausgesprochen gewaltige Beweglichkeit, durch welche er den Ball auch gut abschirmen und so behaupten kann.

Außergewöhnliche Passgenauigkeit

Als Offensivspieler besitzt er zwar ein Auge für das gegnerische Tor, jedoch auch für seine Mitspieler und legt durch seine exzellente Technik und seine gute Übersicht auch ein sehr gutes Passspiel an den Tag. In der vergangenen Saison bei Inter, in welcher er nicht regelmäßig zum Einsatz kam, zeigte er trotzdem eine beeindruckende Passquote von 86%, was für einen Außenstürmer ein mehr als überdurchschnittlicher Wert ist. Angesichts seiner unter anderem guten Laufwege bescheinigt man ihm zudem ein gutes Spielverständnis, denn er weiß sich in der Regel so gut wie immer gut zu positionieren und in irgendeiner Weise für seine Mitspieler anspielbereit zu sein, um dem Team helfen zu können.

Ganz zum Schluss wollen wir auf eine ganz große Stärke von ihm eingehen, die ihm schon seinen Spitznamen Gabigol eingebracht hat. Trotz seines Alters wirkt er vor dem gegnerischen Tor sehr abgeklärt und verfügt über einen eiskalten sowie sehr harten und präzisen Abschluss. Hinsichtlich der Tatsache, dass er nur sehr selten Großchancen liegen lässt, stellt er also für die gegnerische Defensive in nahezu jedem Moment eine Gefahr dar.


Schwächen: Natürlich besitzt auch er nicht nur Stärken, sondern auch ein paar wenige Schwächen, die wir für Euch herausgefunden haben. Für Duelle mit physisch stärkeren Verteidigern, die es in den großen Ligen Europas oft gibt, könnte er noch einen Tick robuster werden, um sich noch besser behaupten zu können. Diese Robustheit könnte er auch bei Kopfballduellen noch gut gebrauchen, denn diese gehören ebenfalls nicht unbedingt zu seinen Stärken. Erstaunlicherweise kam er vergangene Saison trotz dieser teilweise physischen Nachteile auf rund 59% gewonnener Zweikämpfe, weshalb wir diese Schwäche als nicht so schwerwiegend betrachten.

Als Offensivspieler spielt man natürlich mehr und lieber im eigenen Ballbesitz nach vorne in Richtung des gegnerischen Tores, dennoch sollte man auch nach hinten gut mitarbeiten und genau dort muss man mit ihm noch arbeiten, denn nach hinten arbeitet er noch recht ungern mit. Zu guter Letzt fehlt ihm noch die Erfahrung auf hohem Niveau in einer Topliga in Europa, was aber auf seine geringe Einsatzzeit und die Nichtberücksichtigung bei Inter Mailand zurückzuführen ist. Diese Erfahrung wird er aber bei Benfica nun höchstwahrscheinlich sammeln können.


Prognose: Trotz insgesamt gesehen überragender Anlagen konnte beziehungsweise durfte Gabriel letzte Saison weder unter Frank De Boer noch unter dessen Nachfolgern Stefano Vecchi oder Stefano Pioli richtig spielen und kam nicht wirklich zum Zug. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass De Boer Gabriel niemals in seinem Kader haben wollte, ist es eigentlich auch relativ logisch, dass er unter diesem keine faire Chance bekam.

Dies kann sich nun aber ändern, denn genau wegen dieser nur sehr wenigen Einsätzen und der Tatsache, dass er wegen diesen auch nicht wirklich glücklich war, zeigten fortan viele Vereine ernsthaftes Interesse an ihm. Die meisten Klubs wollten ihn ausleihen und auch die Bundesliga war mittendrin in der Verlosung, letztendlich zog es ihn allerdings nach Portugal zu Benfica Lissabon. Dort wird er nun hoffentlich wieder mehr zum Einsatz kommen und sich durch die bisher fehlende Spielpraxis wieder ins Rampenlicht spielen können sowie sein volles Potenzial aufblitzen lassen. Akklimatisieren sollte er sich im Team von Rui Vitória auf jeden Fall sogar recht schnell, denn dort spielen, wie in den vergangenen Jahren auch schon, viele Südamerikaner wie er. Seinen Trainer halten wir zudem für einen sehr kompetenten Fußballlehrer, der ihm hoffentlich das nötige Vertrauen schenken wird und ihn zweifellos weiterbringen kann.

Aber egal was auch passieren wird, Gabriel ist bei sehr vielen Fans äußerst beliebt und unabhängig davon, ob es bei Benfica gut funktioniert oder nicht, seine erstrebte Rückkehr nach Mailand ist alles andere als unwahrscheinlich, da er Inter und die Fans von dort sehr schätzt. Wir wünschen uns jedenfalls, dass er nun in Portugal seinen Durchbruch in Europa feiern und irgendwann sein Können auch nochmal bei Inter unter anderen Voraussetzungen unter Beweis stellen kann. In ihm sehen wir das Potenzial, einer der besten Flügelstürmer der Welt werden und auch in der Seleção eine große Rolle spielen zu können, doch der Durchbruch in Europa ist dafür wahrscheinlich nun erstmal sehr wichtig für ihn.

Autor: Florian Först/ Stand: 08.12.2017

Alle Fähigkeiten auf einen Blick:

Stand: 08.12.2017