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Gonçalo Guedes – Ronaldos legitimer Nachfolger in der Seleção?


Allgemeines: Womöglich steht schon der Ersatz für den natürlich auch älter werdenden Cristiano Ronaldo in der portugiesischen Nationalmannschaft mit Guedes bereit. Der 21-Jährige bringt jedenfalls alles Nötige mit, um den Weltstar irgendwann zu beerben und vielleicht sogar in Vergessenheit geraten zu lassen. Doch wie gewöhnlich fangen wir auch bei ihm ganz vorne an.

Seinem Vater unendlich dankbar!

Alles begann in der Kleinstadt Benavente im Westen Portugals, die mit rund 10.000 Einwohnern etwa eine Stunde von Lissabon entfernt liegt. Dort wuchs er auf und sein Talent wurde recht schnell von den richtigen Leuten erkannt. So kam es letztendlich auch, dass er bereits im Alter von acht Jahren in die Jugend von Benfica Lissabon wechselte und auch dort fiel er direkt positiv auf, denn gegen eine Auswahl von 11-Jährigen gelangen dem Flügelstürmer beim 5:0 Sieg alle fünf Treffer. In der 2013 gegründeten UEFA Youth League wusste er ebenso direkt zu überzeugen und spielte mit seinem Team einen überragenden Fußball. So kam es eben auch, dass man in diesem Wettbewerb weit kommen und Mannschaften wie den FC Barcelona, den RSC Anderlecht, Manchester City und Real Madrid hinter sich lassen konnte. Erst jetzt weiß er es so richtig zu schätzen, was sein Vater damals für ihn alles auf sich nahm, als Guedes zu Benfica ging: „Mein Vater sagte mir, dass er rund 60.000 km im Durchschnitt pro Jahr gefahren ist, indem er, während ich aufwuchs, mich und meinen Bruder zu Benfica fuhr, aber ich war jung und habe dem keine große Beachtung geschenkt. Nun habe ich meinen Traum, nach dem ich mich immer gesehnt habe, realisiert und ich denke er ist zufrieden und stolz auf mich. Mein Vater war eine sehr, sehr wichtige Person in meinem Leben, weil er immer an mich geglaubt hat. Deshalb will ich weiter hart arbeiten, um mich zu verbessern und es ihm zurückzuzahlen.“

Seine ehemaligen Jugendtrainer bei Benfica wissen auch noch viel Positives über ihn zu berichten. So sagte João Barbosa über seinen ehemaligen Schützling: „Er war schon immer ein Kind, das sehr auf seine Ziele fokussiert war und dem der Ruhm relativ egal war. Er hat immer gute Laune versprüht und war einfach nur glücklich, dass er Fußball spielen durfte. Er war etwas verschlossen aber sehr unabhängig. Er wirkte schon wie ein kleiner Erwachsener.”

Lobende Worte von Simeone

Schon sehr früh kam er zu seinen ersten Einsätzen für das Profiteam in der Liga NOS sowie der Champions League und dementsprechend schnell wurde er unter anderem mit Cristiano Ronaldo verglichen und gehypt. Bis heute ist er sogar der jüngste portugiesische Torschütze in der Champions League, denn er traf im Alter von nur 18 Jahren und 305 Tagen gegen das defensivstarke Team von Atletico Madrid. Atletico-Trainer Simeone zeigte sich anschließend beeindruckt davon, wie eines der größten Talente Portugals bereits in diesem Alter auftritt: „Ich mag wirklich, wie dieser junge Guedes spielt."

An diesem jungen Mann, der in der Folgezeit auch viele Titel mit Benfica gewinnen konnte, waren natürlich auch schnell viele Top-Klubs interessiert. So waren besonders Paris Saint-Germain und der FC Chelsea London an einer Verpflichtung dran, am Ende entschied sich Guedes für einen Wechsel in die französische Hauptstadt. Die Ablösesumme betrug für ihn zum damaligen Zeitpunkt im Januar 2017 stolze 30 Mio. € sowie weitere sichere 7 Mio. € im Falle eines Weiterverkaufs. Kurz vor dem sicheren Abgang zu PSG sprach Benfica-Trainer Rui Vitoria noch lobende Worte über ihn aus: „Goncalo Guedes ist ein junger Mann mit richtig viel Qualität. Er ist auf einer Reise und macht es mit seinen Vorlagen und Toren gut. Natürlich ist es eine Freude, ihm bei seiner Entwicklung zuzusehen."

Wenig Spielzeit in Paris

Doch in einem halben Jahr bei PSG wurde er nicht glücklich und kam so gut wie nie zum Einsatz, weshalb er sich bereits im Sommer wieder auf einen Abgang vorbereitete. Da er trotzdem noch eines der ganz großen Offensivtalente Europas ist, entschied sich Paris ihn lediglich zu verleihen. Die Wahl fiel nun auf den FC Valencia, der langsam versucht, wieder an bessere Zeiten anzuknüpfen und ein stärkeres sowie konkurrenzfähigeres Team zusammenzustellen. Dort unterschrieb der portugiesische Nationalspieler also zu guter Letzt seinen Leihvertrag über eine Saison und schloss sich so dem Team von Trainer Marcelino mit der Rückennummer 7 für eine Saison an.

Dieser Wechsel sollte bis jetzt ein Gewinn für alle Parteien darstellen, denn Guedes sorgt mit Valencia in Spanien für mächtig Furore. So ist das Team, in dem er direkt zum Stammspieler geworden ist, in der Liga hinter dem großen FC Barcelona auf dem zweiten Platz zu finden und man spielt großartigen Fußball, mit dem man die eigenen Fans endlich wieder zu verzücken weiß. Wegen seinen starken Leistungen sowie seinen überragenden 8 Scorerpunkten in 11 Ligaspielen ist Guedes auch jetzt schon absoluter Fanliebling und genießt das auch ausgiebig. Von Woche zu Woche tankt er sichtbar mehr Selbstbewusstsein und nicht überraschend kommen deshalb die Aussagen von PSG-Coach Unai Emery, dass er den jungen Portugiesen im kommenden Sommer gerne wieder in seinem Team begrüßen würde.

Interesse von Real und Barca?!

Doch das dürfte ein schwieriges Unterfangen werden, denn durch seine Leistungen hat er das Interesse sämtlicher Top-Klubs geweckt. Zum einen soll nämlich kein geringerer als Nationalmannschaftskollege Cristiano Ronaldo Real Madrids Präsident Florentino Perez zu einem Transfer seines Kollegen geraten haben, falls Gareth Bale aufgrund anhaltender Verletzungsprobleme den Verein verlassen soll. Auch der Berater Ronaldos, der zufällig auch Guedes vertritt, soll schon mit Perez über einen Sommertransfer gesprochen haben. Angesprochen auf diese Gerüchte äußerte sich sein Vater Rogerio Guedes nur wenig verhalten: „Gonçalo würde gerne in die Fußstapfen von Cristiano treten. Er erzielt Tore, er ist sein Idol und sein Nationalmannschaftskollege – und er wurde gerade wieder zum besten Spieler der Welt gewählt. Für alle jungen Spieler ist es das Ziel, das Level von Ronaldo zu erreichen.“ Zum anderen soll auch der andere Top-Star vom FC Barcelona mittlerweile viel vom Linksaußen halten. Deswegen soll auch Messi seinen Klubbossen eine Verpflichtung im Sommer 2018 vorgeschlagen haben, ein günstiges Unterfangen dürfte es aber bei einem Vertrag bis 2021 nicht werden und auch der FC Bayern München gilt als einer der interessierten Vereine. Wegen seinen eigenen Aussagen scheint ein fester Wechsel allerdings vorerst kein richtiges Thema für ihn zu sein, auch wenn ihn das Interesse großer Vereine natürlich nicht komplett kalt lässt. So sagte er bezogen auf den nächsten Sommer: „Ich würde gerne nach Paris zurückkehren und mit den besten Spielern der Welt um einen Platz kämpfen."


Stärken: Eine seiner ganz großen Stärken ist definitiv sein demütiger und bodenständiger Charakter, denn er bleibt aktuell trotz des riesigen Hypes um seine Person ganz ruhig und auch auf dem Boden. Auf dem Platz agiert der flexible Angreifer enorm selbstbewusst und tritt schon wie ein alter Hase auf. Parallelen zu Ronaldo findet man auf jeden Fall in seinem Tempodribbling, denn durch sein Tempo, seine Beweglichkeit und vor allem auch seine hervorragende Technik kann man ihn nur schwer vom Ball trennen. Besonders auffallend ist hierbei auch, dass er bereits auf den ersten Metern Distanz zu seinen Gegenspielern aufbauen will und dies auch schafft.

Seine erfolgreichen Dribblings sind eins seiner Markenzeichen, denn sein aktueller Wert mit sage und schreibe 71% erfolgreicher Dribblings, der definitiv auch auf seine außergewöhnliche und überraschende Zweikampfstärke zurückzuführen ist, ist einfach überragend. Als Offensivspieler sollte er zudem eine gewisse Gefahr für das gegnerische Team ausstrahlen und auch auf diesem Gebiet ist er eine absolute Waffe. Sein Abschluss ist meistens als eiskalt zu bezeichnen und auch aus der Distanz hat er wegen seiner hervorragenden Schusstechnik schon so manche Tore erzielen können, doch wer meinen könnte, dass er vielleicht ein Alleindarsteller sein könnte und nur wenig mannschaftsdienlich, der irrt definitiv.

Auch mannschaftsdienliche Spielweise

Guedes hat immer den Kopf oben und verfügt über einen bemerkenswerten Überblick über das Spielgeschehen. Teilweise braucht er noch nicht einmal den Kopf heben und nach seinen Mitspielern Ausschau halten, denn er spekuliert auch mal gerne beziehungsweise weiß genau, wo seine Mitspieler sich auf dem Feld befinden. Letztendlich kann er seine Kollegen auch durch sein normalerweise sicheres Passspiel bedienen und auch durch seine Kreativität sowie seine Spielintelligenz den einen oder anderen tödlichen Pass spielen. Der Portugiese liebt es zudem, sehr oft am Ball zu sein und hilft damit natürlich auch seinem Team, indem er ständig in Bewegung ist und sich geschickt so positioniert, um so oft wie möglich anspielbar zu sein.


Schwächen: Auch Guedes hat allerdings noch ein paar Sachen, die er dringend abstellen beziehungsweise an denen er noch ein wenig arbeiten sollte. So stellt die Entscheidungsfindung ein gewisses Problem des Portugiesen dar, da er dann doch noch unnötige Ballverluste in seinem Spiel hat, weil er statt einen Pass zu spielen teilweise noch lieber ins Dribbling geht, in welchem er zwar sehr gut ist, jedoch nicht jedes gewinnen kann, oder er direkt unüberlegt in die Offensive umschaltet, anstatt das Spiel mal zu beruhigen und so den Ballbesitz für etwas längere Zeit zu sichern. Damit riskiert er insgesamt dann doch noch überflüssig Ballverluste, woran man mit ihm auf jeden Fall noch arbeiten sollte. Was bei einem jungen Offensivspieler allerdings üblich ist, ist seine Schwäche in Sachen Defensivarbeit. Hier muss er ebenso noch zulegen, um den Druck von den Schultern seine Hintermänner nehmen zu können und diese zu unterstützen. Zu guter Letzt kann man sein Kopfballspiel noch bemängeln, denn trotz einer Größe von 1,79m ist er in der Luft so gut wie überhaupt kein Faktor.

 

Prognose: Nach nur wenigen Einsätzen in Paris in der vergangenen Spielzeit war ein Leihwechsel quasi die einzige und vernünftigste Konsequenz, um Guedes nicht schon wieder fest abzugeben, denn er gilt ohne Frage als eines der größten Offensivtalente Europas. Genau das zeigt er in Valencia unter Trainer Marcelino auch wieder und überzeugt mit dem Team quasi von Woche zu Woche so sehr mit hervorragenden Leistungen, sodass er innerhalb kürzester Zeit schon zum Publikumsliebling geworden ist. Die Leihe ist somit für beide Seiten bisher ein voller Erfolg und so kann er im Sommer 2018 mit noch mehr Selbstbewusstsein zu PSG zurückkehren.

Ob er allerdings wirklich zurück in die französische Hauptstadt geht, ist noch nicht sicher, denn laut seines Beraters ist seine Zukunft noch vollkommen offen und es gibt viele Interessenten. Aktuell ist Guedes entgegen vorheriger Schätzungen doch noch in diesem Jahr von seiner Verletzung zurückgekehrt und ist hoffentlich schon bald wieder in der Lage, an seine Leistungen vor der Verletzung anzuknüpfen. Momentan sehen wir in ihm wirklich sowas wie den Erben Cristiano Ronaldos im portugiesischem Nationalteam und wir denken auch, dass man ihn bei Real Madrid mindestens im Blickfeld haben wird. Von daher bescheinigen wir ihm auch das Potenzial, einer der besten Flügelstürmer in ganz Europa werden zu können, denn auf dem Weg dorthin ist er schon seit geraumer Zeit.

Autor: Florian Först/ Stand: 18.12.2017

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