Vorläufiger Scoutbericht:

Justin Hoogma (19) - Kann er in die großen Fußstapfen Süles treten?

Der Philosophie der TSG 1899 aus Hoffenheim, auf junge und talentierte Spieler zu setzen, wurde mit dem Transfer von Justin Hoogma aufs neue Nachdruck verliehen. Das niederländische Juwel, welches vor kurzem sein 19. Lebensjahr vollendete, hat sich bis 2021 an das Team von Erfolgscoach Julian Nagelsmann gebunden.

Der Sohn des ehemaligen Bundesliga-Profi Nico-Jan Hoogma (u.a. Hamburger SV) sorgte in der abgelaufenen Saison für einen neuen Rekord in der niederländischen Ehrendivision, indem er als jüngster Spieler der Geschichte an allen Ligaspielen teilnahm. Doch seine "Teilnahme" war zudem dermaßen beeindruckend, dass viele Scouts im beschaulichen Polman-Stadion den Stift zückten, um sich den Namen des Youngsters zu notieren. Zu den eben genannten gehörten unter anderem die Sinsheimer:

"Justin ist ein hoch veranlagter Verteidiger, der als Linksfuß über einen herausragenden Spielaufbau verfügt und in seinem jungen Alter schon Geschichte im niederländischen Spitzenfußball geschrieben hat", äußerte sich der Direktor Profifußball bei der TSG, Alexander Rosen.

Doch was genau haben sich die Scouts in ihren Notizblöcken über den in Enschede geborenen Innenverteidiger notiert? Fussballtalente11.de hat ihn für euch durchleuchtet:

Hoogma verteidigte in der vergangenen Spielzeit bei Heracles in einer Viererkette und demonstrierte ein außerordentliches Stellungsspiel. Der Defensivspezialist konnte 155 Bälle in 34 Begegnungen klären und ist damit der beste U22-Spieler in der Eredivisie! Im System der TSG wird er sich auf die Dreierkette neu einstellen müssen, wobei ihm das keine Probleme bereiten sollte. 

Der Vorteil einer Dreierkette besteht darin, dass auch Spieler mit schwachem Stellungsspiel besser glänzen können, da sie einen kleineren Raum abdecken müssen. Da Hoogma dieses aber schon besitzt, sollte es keine Probleme bei der Anpassung geben. Das Aufbauspiel könnte bei den Sinsheimern für ihn ungewöhnlich sein, aber gerade dort liegen die Stärken des Linksfußes. Hoogma besitzt ein äußerst präzises Aufbauspiel und ist für einen Innenverteidiger technisch versiert.

Kommt es zum 1 gegen 1, dann stellt der Juniorennationalspieler mit 83% Zweikampfquote eine echte Hürde für die gegnerischen Stürmer dar. Zudem ist Hoogma während des Spiels 90 Minuten konstant fokussiert und leistet sich kaum Konzentrationsaussetzer.
Trotz der aufgezählten Stärken muss er noch lernen, besser zu antizipieren, da er nur 1,5 Pässe pro Spiel abfängt und das Spiel des Gegners noch nicht zu deuten weiß. Bei seinem 1,90 Meter Gardemaß könnte man vermuten, dass der Hüne enorm kopfballstark ist, aber auch dort hat er mit "nur" 1,6 gewonnen Luftduellen pro Spiel nicht das Optimum aus seiner Physis erreicht. Kommt es zu einem Laufduell, dann hat er auch in diesem Punkt oftmals das Nachsehen, doch in der Regel kaschiert er dieses Defizit mit seinem überragenden Stellungsspiel.
Julian Nagelsmann ist ein Trainer, der ganz klare Visionen hat und genau weiß, welche Spielertypen er für sein System benötigt. Hoogma wird nach dem Abgang Süles zum FC Bayern langfristig ein wichtiger Baustein in der Defensive Hoffenheims werden. Dennoch sollte man dem Rohdiamant die nötige Zeit eingestehen, sich an das hohe Tempo der Bundesliga zu gewöhnen. Diese wird er im ruhigen Sinsheim gewiss erhalten und obendrein mit Nagelsmann einen Trainer, der ihn auf ein neues Niveau heben kann.


Stand: 30.06.2017/ Autor: Sascha Baharian