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Scoutbericht:

Krzysztof Piatek (23) - Mehr als nur eine Lewandowski-Attrappe?


"Ich habe nur ein Ziel. Ich möchte in jedem Spiel ein Tor erzielen." Diese aussagekräftige Ankündigung traf niemand geringeres als der aktuelle Shootingstar der italienischen Beletage – Genuas Sturmtank Krzysztof Piątek.  Der 23-jährige polnische Nationalspieler ließ mit wettbewerbsübergreifenden 13 Toren in gerade mal acht Einsätzen seinen Worten Taten folgen und übertrifft mit seinem fulminanten Start gar die Anfänge der Milan-Legende Andrej Shevchenko in Italiens Eliteklasse.

Niemand hatte den aktuell effektivsten Stürmer Europas am Anfang der Saison auf dem Zettel. Der gesamte Calcio hielt den Atem an und fokussierte sich auf den Piemont und die Lombardei, dort wo Topstars wie Ronaldo, Higuain oder Nainggolan ihre Vereinsfarben wechselten. Im stillen Kämmerchen arbeitete der älteste Verein Italiens, der FC Genua, an einem vergleichsweise eher überschaubaren Deal und transferierte unseren heutigen Hauptdarsteller von Cracovia Krakau für eine erschwingliche Ablöse von gerade mal 4,5 Millionen nach Ligurien. Peanuts, wenn man sich die exzellente Torausbeute des jungen Polen vor Augen hält.

Doch wo kommt dieser wie Phönix aus der Asche entsteigende Jungstar eigentlich her? Geboren wurde Piatek am 1. Juli 1995 in Dzierżoniów, einer Stadt in Niederschlesien nahe der tschechischen Grenze.  Seine ersten fußballerischen Gehversuche vollzog er in Polens vierter Liga bei unterklassigen Klubs wie Lechia Dzierzoniow oder Lubins zweiter Mannschaft. Im Jahre 2014 war es dann soweit und Piatek wurde aufgrund starker Leistungen in den Erstligakader Lubins befördert. Im Mai desselben Jahres gab er dann sein Debüt in der Ekstraklasa, als er gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber Craciova eingewechselt wurde.

Zwar stieg Lubin am Ende der Saison ab, doch für den Rookie sollte es eine Empfehlungsrunde werden. Nach 33 Zweitligaeinsätzen erzielte er sechs Ligatore und veranlasste Craciova dazu, sich die Dienste des Nachwuchsmannes für 700 Tausend Euro zu sichern. In Krakau gelang Piatek der endgültige Durchbruch. In zwei Spielzeiten erzielte das Sturmtalent satte 32 Treffer, mit denen er sich schließlich auch im Ausland einen Namen machte, bis Genua letztlich den Zuschlag erhielt.

 

Stärken:

 

Nun kommen wir zur Essenz unseres Scoutberichts, den du wahrscheinlich herbeigesehnt hast. Was kann dieser Pistolero („Revolverheld“), wie er aufgrund seines Torjubels von den Medien genannt wird, eigentlich so gut? Führen wir uns mal folgende Aussage des Stürmers zu Gemüte:

"Auf dem Platz denke ich ausschließlich darüber nach, wie sich der nächste Spielzug entwickeln könnte. Dann überlege ich, wo ich mich positionieren muss, um den Ball zu bekommen", erklärte Piatek jüngst im Interview mit der Gazzetta dello Sport.

In der Tat ist das Stellungsspiel und das Anlaufen des freien Raumes einer der Hauptvorzüge Piateks. Betrachtet man sein Tor gegen Chievo Verona, dann gleicht es fast einem Wunder, dass er vor seinem Führungstreffer überhaupt an den Ball kam.

Immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort

 

 

Denn Genuas Flügelmann Lazovic zog mit seinem Lauf über den linken Flügel ganze vier Spieler auf sich, Piatek ließ sich genau zum richtigen Zeitpunkt ein wenig in den Rückraum fallen und war plötzlich anspielbar, bekam umgehend den Ball durchgesteckt, nahm ihn gar nicht erst an, sondern knallte ihn in Gerd Müller-Manier von der Strafraumgrenze eiskalt flach ins rechte Eck.

Es sind genau solche Szenen, die den Youngster auszeichnen, in denen sich sein überaus exzellenter Abschluss und sein tödliches Stellungsspiel die Hände reichen. "Ich habe fast Angst, über Piatek zu reden, weil es den Druck auf ihn nur erhöht", sagte Genua-Coach Ballardini über seine Nummer neun und führte aus: "Aber es sieht wirklich so aus, als bringe er das Komplettpaket mit. Ich habe das Gefühl, dass er wirklich ein wichtiger Spieler werden kann. Aber das flüstere ich lieber, als dass ich es von den Dächern rufe."

Sein Trainer spricht über ein gewisses Komplettpaket, welches darauf hindeutet, dass der neue polnische Nationalspieler es nicht nur mit dem Fuß kann, sondern gleichermaßen den genuesischen Luftraum beherrscht. Der 1,83 Meter-Angreifer ist zwar nicht das klassische Kopfballmonstrum, jedoch versteht er es die wichtigen Luftduelle, nämlich die, die anschließend zu Toren führen, für sich zu entscheiden.

Ein reiner Strafraumstürmer?

 

Wer denkt, der Pole trifft nur innerhalb der Box, den darfst du nun zurechtweisen, dass er damit komplett falsch liegt. Dass Italiens Verteidiger nun alarmiert sind und Piatek innerhalb des Sechzehners teilweise doppelt auf ihrem Radar haben, interessiert das Schlitzohr herzlich wenig. Denn dieser taucht dann gar nicht erst im Strafraum auf, sondern positioniert sich am Rande dessen, um das Spielgerät eben aus der Distanz im Netz unterzubringen.

Darüber hinaus erinnert der Pole durch seine passable Technik, Beidfüßigkeit und Körperlichkeit an Bayern Münchens Robert Lewandowski, der ähnliche Attribute wie Piatek in seinem Spiel vereint und somit als moderner Mittelstürmer bezeichnet werden darf. Daher überrascht es nicht, dass die Vergleiche mit Bayerns Rekordmann nicht lange auf sich warten ließen. "Ich kann nicht mit Lewandowski verglichen werden, er spielt für Bayern München und ich bei Genua", wies der zwölfmalige U21-Nationalspieler jedoch gegenüber Sky Italia mit Bescheidenheit zurück.

Schwächen:

 

Doch wo Vorzüge vorhanden sind, findet der Fussballtalente11.de-Scout oftmals auch Defizite, die es zu analysieren gilt. Bei all den Toren, die der junge Schlesier bisher erzielt hat, fällt auf, dass er keine einzige Vorlage auf dem Konto verbuchen konnte. An sich nichts dramatisches, jedoch ein Indikator, der aus folgenden zwei Schwächen resultiert:

Zum einen achtet der Offensivspezialist vor dem Tor kaum auf seine Nebenleute, da er den charakteristischen Egoismus eines Topstürmers besitzt und genauso viel Auge für seinen Nebenmann besitzt wie ein Rennpferd mit Scheuklappen. Zum anderen ist sein Passspiel gewiss als ausbaufähig einzuschätzen, was ihn eindeutig von Lewandowski, welcher gleichermaßen spielerisch Akzente zu setzen vermag, unterscheidet.

Darüber hinaus untermauert dies seine eher durchschnittliche Passquote von gerade mal 76 Prozent. Anspruchsvolle lange oder tödliche Pässe wie bei Bayerns Topmann sind atypisch für den Sturmführer der Grifoni. Daher kommt er am besten als absoluter Zielstürmer zur Geltung, welcher hauptsächlich als Anspielstation oder Verwerter von Großchancen in Aktion tritt und sich vornehmend aus Defensivaktionen raushält, um seine Kräfte zu schonen.

Prognose:

 

Zusammenfassend resümieren wir, dass Krzysztof Piatek aktuell eines der heißesten Eisen im Feuer des Mercatos darstellt und aufgrund seiner Charakteristiken für zahlreiche Top-Klubs eine immense Verstärkung verkörpert. Schaut man sich die Vita des jungen Polen an, so erkennt jeder Talente-Liebhaber, dass seine Entwicklung seit Jahren konstant nach oben verläuft und er sich unabhängig von Verein oder Liga stetig weiterentwickelt hat.

Aufgrund dessen erwarten wir, dass der polnische Nationalspieler keine Eintagsfliege repräsentiert und weiterhin auf hohem Niveau performen wird. Vereine wie Bayern, Juventus und der BVB sollen schon ihre Talentspäher gen Ligurien entsendet haben, um den besten Stürmer Europas des Monats September auf Herz und Nieren zu prüfen.  

Abgesehen von seiner Vereinskarriere dürfte sich ebenso Polens Nationaltrainer Jerzy Brzeczek auf den Mann vom FC Genua freuen, da die Biało-Czerwoni nun mit Lewandowski, Milik und eben jenem Piatek eine absolut sehenswerte Offensive besitzt, die in jeder Weltklasse-Abwehr Angst und Entsetzen verbreiten kann.

Mit weiteren vielversprechenden Youngstern um Namen wie Zielinski (24, Napoli), Linetty (23, Sampdoria), Bednarek (21, Southampton), Dragowski (21, Florenz) und Kownacki (21, Sampdoria) dürfen sich die Osteuropäer berechtigte Hoffnungen machen, bei kommenden internationalen Turnieren zu einem der Protagonisten zu avancieren. Eines steht auf jeden Fall fest, bisher hat Krzysztof Piątek sein Wort, dass er jedes Spiel trifft, gehalten. Sollte er sein Niveau bis zum Saisonende halten, dann wird er sich vor Angeboten kaum noch retten können.

Autor: Sascha Baharian/ Stand: 09.10.2018

Alle Fähigkeiten auf einen Blick: