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Lautaro Martinez (20) - Der junge Stier von Racing


Allgemeines: Es war ein warme Frühlingsnacht inmitten Argentiniens, als ein kleiner zwölfjähriger Junge mit leuchtenden Augen vor dem Fernseher saß und das Champions League Finale 2010 zwischen Inter Mailand und dem FC Bayern in Madrid verfolgte. War es doch sein Idol Diego Milito, welcher das Endspiel gegen den deutschen Rekordmeister quasi im Alleingang entschied und den Nerazurri den ersten Henkelpott in ihrer Vereinsgeschichte sicherte.

"El Principe", wie Milito in seinem Heimatland genannt wurde, machte das Spiel seines Lebens und beeindruckte dermaßen, dass sich dieser kleine Junge dachte: „Ich will wie Milito sein“ wie er später zugab! Dieser niedliche Gaucho war Lautaro Martinez. Acht Jahre später ist der 20-Jährige ein Shootingstar beim argentinischen Erstligisten Racing Club de Avellaneda und wird von der europäischen Elite wie Atletico, Inter und auch von den Königlichen von Real gejagt.

Wenn du auf dein Idol triffst

Das Kuriose daran? Vor drei Jahren traf Martinez bei seinem derzeitigen Club sogar auf Idol Milito, der dort gerade seine Karriere ausklingen ließ, während das Talent um den Beginn einer hoffnungsvollen Laufbahn kämpfte.  

Wie würdest du dich fühlen, wenn du unmittelbar vor deinem Profidebüt noch von deinem absoluten Vorbild abgeklatscht, umarmt und angefeuert wirst? In einer lauwarmen Novembernacht 2015 war es dann soweit und genau wie eben beschrieben begann die Profikarriere Lautaros. Gewiss ein magischer Moment für Martinez. Der damals 36-jährige Milito wurde unter tosendem Applaus ausgewechselt und der junge Gaucho betrat für die Ikone das heilige Grün.

Eine Verletzung wird zum Glücksfall

In der Saison 2016/17 musste sich der Rohdiamant allerdings erstmal hinten anstellen, da der ehemalige Lyon-Stürmer Lisandro Lopez gesetzt war. Jedoch änderte sich das Schicksal schnell für Martinez, da sein argentinischer Teamkollege sich schwerwiegend verletzte und lange Zeit ausfiel. „El Toro“, wie Martinez aufgrund seines bulligen Körpers genannt wird, bekam mit 22 Pflichtspieleinsätzen jede Menge Spielpraxis. Nicht nur wegen seiner sechs erzielten Tore sorgte der 19-Jährige für Aufsehen, denn seine freche und selbstbewusste Spielweise löste Erstaunen und ungläubige Blicke im Publikum aus.


Stärken: Lautaro besitzt den typischen Gaucho-Spielstil; sehr körperbetont, provoziert Fouls und spielt schnellen und flachen Fußball. Zudem ist der Rechtsfuß ein sehr verspielter Stürmer, der gerne ins Dribbling geht und die Verteidiger teilweise provokant im direkten 1 gegen 1 Duell fordert. Oftmals gewinnt er seine Dribblings, indem er sich mit dem Rücken zum Gegenspieler einfach spielerisch um diesen herumwindet oder aber in hohem Tempo auf den Gegner zu sprintet und den Ball dann aus kurzer Distanz mit der Fußspitze vorbeispitzelt.

Anhand seiner aktuellen aber auch vergangenen Statistiken kann man ebenso seine herausragende Abschlussstärke erahnen, die auf einem sehr hohen Niveau liegt. Mit sieben Treffern und vier Assists in 10 Spielen ist er in Argentiniens höchster Spielklasse auf Platz zwei der Topscorerliste. Sein Schuss ist nicht nur zielsicher, sondern auch extrem hart, was ihn auch aus der Distanz zu einem Gefahrenfaktor für jeden Torhüter macht.

Glanzmomente in der U20

So gesehen beispielsweise bei der U20-WM 2017 im Spiel der Argentinier gegen Guinea. Martinez stand mit dem Rücken zum Tor und bekam einen hohen Ball zugespielt, den er bedrängt von zwei Manndeckern sauber mit der Brust annahm. Mit der Brust legte er sich den Ball unmittelbar auf seinen starken Rechten und zog aus 18 Metern die Pille ab. Der Ball flog druckvoll und mit leichtem Effet präzise wie ein Dartpfeil in den rechten Winkel. Das Tor ein purer Genuss für jeden Fußballliebhaber.

Argentiniens U20-Coach Ubeda durfte zudem bestaunen, wie Martinez bei der U20-Südamerikameisterschaft 2017 mit fünf Toren in neun Einsätzen zum Torschützenkönig des gesamten Turniers avancierte. "Er ist ein Spieler mit gutem Torriecher. Ich mag ihn und er wird sich noch weiterentwickeln", gab er begeistert über das Kraftpaket zu. Der 1,75m große Gaucho ist nicht nur Vollstrecker. Nein, er besitzt die Gabe, seine Mitspieler mit tollen Schlüsselpässen (1,2 pro Spiel) in Szene zu setzen. Ungewöhnlich oft schafft er es den Ball vorne festzumachen und ihn dann für die aufrückenden Teamkollegen durchzustecken.  Eine sehr wertvolle Eigenschaft, die ihn dazu prädestiniert als alleinige Spitze auflaufen zu können.


Schwächen: Auch wenn er es immer wieder schafft, seine Mitspieler in Szene zu setzen, muss er unbedingt daran arbeiten, sein Passspiel insgesamt präziser zu gestalten, da seine Passquote nur 69% beträgt. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Tatsache, dass der Südamerikaner sich selbst gerne überschätzt und auch mal versucht, gleich vier Kontrahenten auf einmal aus dem Weg zu räumen. Dich wird es wohl nicht überraschen, dass seine naive Absicht da nicht wirklich aufgeht und er den Ball anschließend oftmals verliert. Technische Defizite weist er bei seiner Ballkontrolle auf, da ihm durchschnittlich 3,9 Bälle pro Spiel verspringen. Meist legt er sich den Ball im Dribbling einfach noch zu weit vor und erreicht ihn dann nicht mehr rechtzeitig. Zu guter Letzt ist er  mit nur 1,5 gewonnenen Luftduellen pro Spiel nicht der typisch klassische Mittelstürmer, der per Kopf gefährlich wird.


Prognose: Zusammenfassend sind es jedoch mehr „Pro-Argumente“, die dafür sprechen, dass wir "El Toro" bald ganz aus der Nähe bewundern dürfen. Er selbst zeigt sich nicht abgeneigt von einem Wechsel über den großen Teich: "Ich würde gerne in Europa spielen", verriet er zuletzt in einem Interview. Die Gerüchte, dass er bereits bei Inter Mailand unterschrieben habe, verneinte er. Das Offensivtalent hat ganz klare Vorstellungen und Wünsche, die es für ihn langfristig zu realisieren gilt:

"Ich träume davon, für die Nationalmannschaft aufzulaufen … es wäre ein Traum, bei der WM zu spielen." Argentiniens Nationaltrainer Jorge Sampaoli, ehemaliger Südamerikameister mit Chile, hat den Bulldozer bereits auf dem Schirm und ihn in den erweiterten Kader der „Albiceleste“ aufgenommen. Daher liegt die Erfüllung seiner Träume im Rahmen des Möglichen und er darf eventuell früher als gedacht in die Fußstapfen seines Idols Diego Milito treten.

Autoren: Sascha Baharian, Sven Thomas, Stand: 21.02.2018

Alle Fähigkeiten auf einen Blick: