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Scoutbericht:

Marius Wolf (20) - Der Wolf unter den Adlern


Allgemeines: "Wenn er so weitermacht, kann er mal Nationalspieler werden." Dieses Zitat äußerte Kevin-Prince Boateng vor nicht allzu langer Zeit über seinen Teamkameraden Marius Wolf. Er wurde damals nur belächelt für diese Aussage und man dachte es handle sich nur um einen Freundschaftsdienst. Mitnichten. Denn die Leistungen Wolfs in der laufenden Bundesligaspielzeit sind dermaßen beeindruckend, dass sie Boatengs Worten Nachdruck verleihen. Speziell das Spiel gegen den 1. FC Köln konnte als endgültiger Durchbruch von Eintracht Frankfurts Wolf unter den Adlern gesehen werden.

Beim ersten Tor war er an einer tollen Direkt-Kombination über mehrere Stationen beteiligt. Beim 2:1 und 3:1 schlug er die Standards, die durch Marco Russ und Simon Falette verwertet wurden. "Marco hat gesagt, bringe ihn mir nur auf den Kopf, dann ist er drin", erzählte Wolf, der inzwischen alle ruhenden Bälle der Eintracht ausführt. Hat geklappt. Das 4:1 war dann das Nonplusultra. Wolf spielte mit Rechtsverteidiger Da Costa einen verzögerten Doppelpass und traf mit einem satten Flachschuss durch die Beine eines Effzeh-Verteidigers ins linke lange Eck. "Es war Glück, dass er einem Gegner durch die Beine flog", äußerte er bescheiden, was von einer gefestigten Mentalität zeugt. 

Karriereknick bei Hannover

Dass der schlaksige Flügelflitzer in der Commerzbank Arena derart für Begeisterung sorgen würde, war vor 1 ½ Jahren noch kaum vorstellbar. Wolfs Karriere stand nämlich, damals noch in Diensten von Hannover 96, kurz vor dem Aus. Nachdem er bei 1860 München vom Jugendspieler zum Zweitligaprofi reifte und auf einem guten Weg schien, wurde er bei den Niedersachsen nach nur zwei Bundesligapartien in die Reserve degradiert und durfte anschließend vor nur 300 Zuschauern seinem Beruf nachgehen. Wolf war angekommen im rauen Profifußballgeschäft. Licht ins Dunkle brachte im Winter 2016 dagegen die Eintracht, die Wolf mit einer Kaufoption von nur 500.000 € auslieh.

Wolf begriff, dass das Leihgeschäft mit den Hessen seine letzte Chance war, die es mit eisernem Willen zu nutzen galt. Nach einem harten ersten Halbjahr mit Anpassungs- und Verletzungsproblemen kann man getrost behaupten, dass er jene letzte Option mehr als nur genutzt hat. Wolf gilt als Sinnbild des Frankfurter Aufschwungs und ist oftmals der einzige Deutsche in der Startelf der SGE-Multikulti-Truppe. 
In der aktuellen Bundesligasaison ist er fast an einem Drittel der Frankfurter Tore direkt beteiligt (4 Tore, 6 Vorlagen) und spielt einfach konstant gut, Woche für Woche!


Stärken: Nicht nur seine Scorerpunkte machen ihn für Eintracht-Trainer Nico Kovac so wertvoll, sondern auch seine Flexibilität und Mentalität: "Marius gibt immer alles, im Training wie auch im Spiel. Er ist sich auch nicht zu schade, auf Positionen zu spielen, die nominell vielleicht nicht seine Lieblingspositionen sind", so der SGE-Coach. Ob als Rechtsaußen, rechter Verteidiger oder offensiver Mittelfeldspieler, der 22-Jährige spielt überall gut! Seine stärkste WhoScored-Bewertung hatte er jedoch auf der offensiven Mittelfeldposition.

Wolf ist mental ebenfalls eine Waffe, da er freie Räume, in welche seine Mitspieler eindringen, blitzschnell erkennt und diese bespielt - meistens in Form von Flanken oder Steilpässen in den Rücken der Abwehr, die durchschnittlich mindestens 1,2 Mal pro Spiel durch ihn zu einer gefährlichen Torchance der SGE führen. Dank seiner Dribbelstärke, Schnelligkeit und klugem Kurzpassspiel gelingt es dem 1,87m Schlaks, sich zudem für eben jene Hereingaben überhaupt erst in Position zu bringen. Er brilliert jedoch nicht nur als Flankengeber, sondern ist durch seinen ungewöhnlich harten und platzierten Schuss ebenso gefürchtet unter den Bundesliga-Keepern.

Das laufstarke Arbeitspferd

Das Frankfurter Talent besitzt wahre Allrounder-Qualitäten, da er auch gegen den Ball sehr vorbildlich mitarbeitet und sich für keine „Drecksarbeit“ zu fein ist, was 86% gewonnene Tacklings ebenso unterstreichen. Gleichermaßen ist er durchgehend der Frankfurter mit den meisten Laufwegen und spult wie das klassische Arbeitspferd im Galopp durchschnittlich 11,8 km pro Spiel ab. Da wird der ein oder andere kenianische Marathonläufer aufhorchen, was dieser Wolf in der Mainmetropole derlei an Laufstärke demonstriert. 

Zu guter Letzt muss man dem großgewachsenen Angreifer eine hohe Ballsicherheit attestieren, was ihn zu einer sicheren Anspielstation im Frankfurter Offensivspiel macht. Er verliert nur sehr selten den Ball und schirmt ihn hervorragend ab.


Schwächen: Dass der Offensivspezialist Schlüsselpässe spielen kann, steht außer Frage, jedoch muss er bei seinem Passspiel noch an der Präzision feilen, da insgesamt nur 69% seiner Abspiele beim eigenen Mitspieler landen. Es gilt allerdings zu berücksichtigen, dass Wolf sich nicht davor scheut, den schwierigen Pass zu schlagen und dies ein elementarer Faktor dafür ist, welcher seine Passquote ebenfalls schlechter aussehen lässt. Grob fahrlässige Fehlpässe sieht man dagegen selten von ihm.

Du denkst dir sicherlich, dass der Jungadler bei einer stattlichen Körpergröße von 1,87m eine Wucht in der Luft ist?! Da müssen wir dich leider enttäuschen, denn Wolf gewinnt nur 28% seiner Kopfballduelle, was wir Scouts ebenfalls überraschend aufgenommen haben. Jedoch fällt seine Kopfballschwäche auf den Außenbahnen nicht so schwer ins Gewicht und kann daher als weniger relevant betrachtet werden.


Prognose: Zusammenfassend kann man sagen, dass Marius Wolf mit seinen 22 Jahren jetzt schon zu den Hauptdarstellern der Bundesliga gehört und ein entscheidender Mann im Kampf um die Champions League-Plätze für die Schwarz-weißen darstellt. Nico Kovac überraschen die überragenden Leistungen des Rechtsfußes jedenfalls nicht und er glaubt, dass Wolf noch nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt ist: "Ich glaube, dass er noch besser werden kann. Ich freue mich für ihn, er weiß jetzt, was er investieren muss, in sich und in seinen Körper, um solche Leistungen abzurufen. Wenn er das verinnerlicht, ist vieles möglich."

Diese lobenden Worte des SGE-Trainers bestätigen, welch hohe Wertschätzung der Blondschopf bei den Verantwortlichen der Eintracht genießt. Die Hessen sind von seinem Potenzial mehr als überzeugt und das zurecht!  

Wolf besitzt ohne Zweifel das Talent und die richtige Einstellung, um dieses auch voll auszuschöpfen. In Frankfurt hat er das richtige Umfeld, dass ihm Vertrauen und Spielzeit garantiert. Kurz gesagt: Der Wolf bei den Adlern? Das passt! Langfristig kann es der Frankfurter zu einem Spieler von internationalem Format schaffen. Vielleicht spielt Nationaltrainer Jogi Löw bereits jetzt schon mit dem Gedanken, ihn als Allzweckwaffe für die diesjährige Weltmeisterschaft zu nominieren, denn Wolf gehört die Zukunft. Spätestens dann wird man den Worten von Kevin-Prince Boateng endgültig Glauben schenken müssen.

Autor: Sascha Baharian/ Stand: 01.03.2018

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