Stand: 19.11.2017/ Bild: facebook.com/nicolobarella18/

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Scoutbericht:

Allgemeines: Nach der Europameisterschaft 2016 sprießen in Italiens höchster Spielklasse, der Serie A, zahlreiche neue italienische Talente aus dem Boden. Dabei blickten die Tifosi nach der EM 2016 noch in eine dunkle Zukunft des Calcio, da die Squadra Azzurra den Glanz alter Tage schmerzlichst vermissen ließ und man schon lange vergeblich auf Weltklassefußballer wie Paolo Maldini, Alessandro Nesta oder eben einen Roberto Baggio hoffte.

Zur neuen vielversprechenden Generation Italiens gehört Cagliaris Mittelfeldmotor Nicolo Barella! Das Ausnahmetalent erblickte vor 20 Jahren in Sardiniens Hauptstadt Cagliari zum ersten Mal das Licht der Welt. Nachdem er alle Jugendmannschaften der Sarden durchlaufen hatte, feierte er bereits im April 2015 sein Serie A-Debüt gegen Parma, doch konnte er sich auch aufgrund der häufigen Trainerwechsel (3) keinen Stammplatz erkämpfen. Nach seinen exzellenten Auftritten gegen Cesena und Udinese wurde ihm von zahlreichen Experten eine große Karriere vorausgesagt. In der Serie B-Saison 2015/16 verhalf der junge Italiener Cagliari mit starken Leistungen als Zehner oder Flügelspieler zum direkten Wiederaufstieg.

In der vergangenen Saison 2016/17 zeigte der damals 19-Jährige im zentralen Mittelfeld bereits mehr Reife und Abgeklärtheit in seinem Spiel. Barella gehörte zu den besten Spielern bei den "Rossoblu" und hatte seinen entscheidenden Anteil daran, dass der Aufsteiger die Saison auf einem guten elften Platz abschließen konnte.

Auch international machte er sich bei der diesjährigen U20-WM in Südkorea einen Namen, die er mit den Azzurini mit einer Bronzemedaille abschließen konnte.


Stärken: Als typischer offensiver Mittelfeldspieler besitzt Barella die Fähigkeit, überfallartig in die Spitze zu stoßen! Das macht ihn zu einem sehr vielseitigen Spieler, der alle drei Positionen im offensiven Mittelfeld bekleiden kann. Er ist zwar in der Endgeschwindigkeit nicht der schnellste, besitzt trotz alledem einen hervorragenden Antritt und eine überragende Ausdauer, die ihm eine ordentliche Präsenz im Zentrum ermöglicht. Daher kann man ihn auch als "Box-to-Box" Spieler bezeichnen, der weite Wege für sein Team geht und überall auf dem Platz Akzente setzt. Er versprüht auf dem Platz ungeheuren Tatendrang und wirkt überaus motiviert und bissig, was ihn an den früheren Cagliari-Profi Radja Nainggolan erinnern lässt.

Beeindruckende Defensivqualitäten

Trotz seiner geringen Körpergröße von 1,72m und nur 68 kg Kampfgewicht ist Barella unfassbar stark in der Balleroberung und das auch gegen offensivstarke Teams wie dem SSC Napoli, als er beispielsweise ganze vier Bälle erobern konnte! Zudem gewinnt er diese Saison trotz seiner Größe überraschenderweise ganze 70 % seiner Luftduelle, sicherlich auch dank seiner enormen Sprungkraft. Obendrein glänzt er in der laufenden Serie A-Saison durch eine solide Zweikampfquote von 50% und ein exzellentes Tackling (2,9 pro Spiel)! Seinen zierlichen Körper setzt er sehr klug ein, sodass man ihn als durchsetzungsstark und ballsicher deklarieren darf, da er körperlich nur schwer vom Ball zu trennen ist.

Ein Mittelfeldallrounder muss jedoch auch in der Offensive Akzente setzen können und auch da ist Barella mit einem fintenreichen Dribbling, Übersicht und einer hohen Passgenauigkeit (85%) ein wichtiger Faktor für die Sarden. Gerade in Kontersituationen ist er derjenige, der den Ball in die Spitze transportiert und gefährliche Torchancen einleitet.


Schwächen: Mit nur 1,4 abgefangenen Bällen pro Spiel fehlt es dem Allrounder etwas an Antizipationsvermögen. Zudem begeht er aufgrund seiner Motivation überharte Fouls, die ihn schon oftmals an den Rande eines Platzverweises gebracht haben und auch darüber hinaus. In der abgelaufenen Spielzeit kassierte er neun gelbe Karten und sogar eine Rote gegen Rekordmeister Juventus Turin, als er wegen einer brutalen Grätsche gegen Giorgio Chiellini des Platzes verwiesen wurde. Außerdem besitzt der Rechtsfuß im Verwerten von aussichtsreichen Torchancen einige Defizite, an denen er mit Hochdruck arbeiten sollte.


Prognose: Zusammenfassend kann man Barella als fast kompletten Mittelfeldspieler bezeichnen, der tatsächlich von seiner Leidenschaft und Kampfkraft an Radja Nainggolan erinnert, wenngleich es ihm noch deutlich an Effektivität und Physis fehlt, um an Romas Topstar heranzukommen. Bereits vor der Saison wurde er mit zahlreichen Topklubs innerhalb und auch außerhalb des Landes in Verbindung gebracht. Sollte er die Saison genauso konstant zu Ende spielen, wie er sie begonnen hat, wird er sich vor Angeboten der europäischen Elite kaum retten können, da er kaum Schwächen besitzt und gerade mal 20 Jahre jung ist. Bei gleichbleibender Entwicklung könnte er zu einem der besten Mittelfeldspieler Italiens reifen und sich gleichermaßen bei einem großen Klub als Leistungsträger etablieren.

Autor: Sascha Baharian/ Stand: 24.10.2017

Alle Fähigkeiten auf einen Blick:

Stand: 24.10.2017