Vorläufiger Scoutbericht:

Paulinho (17) - Bayers nächste Topinvestition?

 

Bis zuletzt gab es eine sehr lange Interessentenliste für den 17-jährigen Paulinho von Vasco da Gama. Das Eigengewächs des Klubs aus Rio de Janeiro spielt auf dem linken Flügel und lockte mit seinem Spielstil die Scouts einiger namhafter Klubs an. Doch nun kam Bayer Leverkusens Manager Jonas Boldt und machte Nägel mit Köpfen. In der Lobby des LSH-Lifestyle Hotel in Rio traf er zufälligerweise auf den ehemaligen Nationalstürmer Kevin Kuranyi, dessen Wurzeln selbst in Brasilien liegen und bei ihrem gemeinsamen Gespräch ging es, wie sollte es auch anders sein, um Fußball. Kuranyi gab einen Einblick über die Talente-Situation und berichtete von Vincius Jr., der bereits bei Real Madrid unter Vertrag steht, und von einem speziellen Paulinho von Vasca da Gama.

Großes Lob für Bayer

Was Kuranyi aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, ist, dass Boldt nicht da war, um zu scouten, sondern um Paulinho bereits zu verpflichten! Dabei spielte auch die Verletzung von Paulo Henrique Sampaio Filho, wie er gebürtig heißt, eine entscheidende Rolle, denn diese Verletzung schreckte Mitstreiter ab und es fiel nicht mehr auf, dass Leverkusen ihn nun sportmedizinisch untersuchte. Auch Kuranyi findet nur gute Worte für das schnelle Scouting des Werksklubs und sagte im kicker: „Klar, Bayer hat eine gute Infrastruktur und gute Kontakte. Aber du musst sie pflegen. Und das macht Bayer perfekt. Was mit Reiner Calmund begann, führte Michael Reschke fort und Jonas Boldt hat jetzt gezeigt, dass diese Erfolgsgeschichte sich entwickelt. Als die anderen Klubs noch überlegten, wie sie das Thema angehen, waren Bayers Ärzte bereits vor Ort.“

Mit dem 18. Geburtstag des Brasilianers am 15. Juli wird der Wechsel gültig und Paulinho darf dann nach überstandenem Armbruch in der Bundesliga kicken.

Auf einer Pressekonferenz erklärt Alexandre Campello, der Präsident von Vasco de Gama, dass man alles versucht habe, um den Jungen zu halten, doch dies aufgrund der schweren finanziellen Situation nicht realisierbar war. Man habe durch den Transfer 18,5 Mio. Euro erhalten und sich zusätzlich eine 10 % Weiterverkaufsklausel sichern können. Insgesamt hat Bayer 26,4 Mio. Euro gezahlt, denn nur 70 % des Erlöses ging an den Verein, die restlichen 30 % erhielten die Berater des jungen Außenstürmers.

 

Paulinho spielt auf der linken Außenbahn und konnte in sechs Copa Libertadores-Partien jeweils zwei Treffer erzielen und vorbereiten. Der „Packing“-Erfinder Stefan Reinartz sieht anhand der Packing-Raten von Paulinho ähnliche Qualitäten wie bei Bailey, Brandt oder Coman.

Unter Packing versteht man eine geglückte Offensivaktion, nach der sich durch einen Pass weniger Gegner zwischen dem Ball und dem gegnerischen Tor befinden als vor diesem. Die Anzahl der überspielten Gegner gibt dann die sogenannte Packing-Rate an. Paulinho’s Passspiel „überwindet im Schnitt 17 Gegenspieler“ sagte Reinartz gegenüber Transfermarkt.de. Zudem ist er ein Spieler, der gerade für ein offensives Pressingspiel, wie es Bayer oftmals praktiziert, sehr geeignet ist und durch dieses 21 Gegner im Spiel ausschaltet. Auch seine Offensivaktionen wie sein Dribbling oder seine Spielfreude sind typisch brasilianisch und versprechen viel Spaß. Ebenso beweist er oftmals auch ein gutes Auge für seine Mitspieler, weiß sie ins Spiel einzubeziehen und verläuft er sich in der gegnerischen Hälfte, schirmt er den Ball solange ab, bis seine Kollegen nachgerückt sind oder er einen Freistoß rausgeholt hat. Mit seinen Laufwegen steht er zwar oftmals genau am Rande des Abseits, aber solange er die Pässe im passenden Timing kriegt, ist es nur zu seinem Vorteil.

Natürlich lässt sich die Copa Libertadores nicht im Geringsten mit europäischen Wettbewerben vergleichen, jedoch sollte Leverkusen eine Menge Freude an Paulinho haben, wenn der Brasilianer es schafft, sich auch in Europa zurecht zu finden. Mit Wendell hat er zugleich einen Landsmann da, der ihm den Einstieg erleichtern könnte und wer weiß, wenn alles gut geht, kann Bayer Leverkusen den Brasilianer als Investition für die Zukunft sehen und für künftig noch mehr Geld verkaufen.

 Autor: Sven Thomas / Stand: 03.05.2018