Stand: 18.07.2017/ Bild: svwerder.de

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Allgemeines: Viele Trainer fordern richtige Kämpfertypen, die keinen Zweikampf meiden und auch mal ordentlich dazwischen gehen. Für 2,5 Mio. Euro verpflichtete Werder Bremen vor der abgelaufenen Saison einen dieser Typen, der selbst von sich sagt: „Ich bin einer, der auch mal dazwischenhaut, der die Zweikämpfe sucht und aggressiv spielt.“ Der 22-jährige Robert Bauer kam vom FC Ingolstadt an die Weser und sollte die Position des Rechtsverteidigers aufmischen.

Robert Bauer ist ein „russkie nemcy“, also ein Russlanddeutscher, der sowohl die deutsche als auch die kasachische Nationalität hat, denn seine Eltern kamen vor 23 Jahren nach Deutschland. Das heißt, Robert wurde in Deutschland geboren und spielte auch während Olympia für die deutsche Nationalmannschaft. Nach Olympia wurde dann der Wechsel zu den Bremern offiziell gemacht, dabei wäre er beinahe bei RB Leipzig gelandet, doch als Hasenhüttl anrief, war Bauer schon mitten im Medizincheck. Doch von Anfang an bestand bei ihm kein Zweifel und so antwortete er auf die Frage, warum er zu Bremen und nicht Leipzig gegangen sei: „Das Umfeld, die Fans, das Stadion. Fußballer spielen auch, um Menschen zu begeistern. Wenn dir Fans zujubeln – das ist das, was einem Kraft gibt.“

Das russische Mentalitätsmonster

Was ihm auch für seine Laufbahn Kraft gibt, ist seine Familie und der Glaube an Gott, was unter anderem auch seine Tattoos zeigen. Bei Russlanddeutschen, beziehungsweise Russen generell, ist der Fußball nicht so beliebt wie hier in Deutschland. Dort schaut oder spielt man eher Eishockey oder Boxen. Auch Robert Bauer hat früher geboxt, was ihn mitunter auch zu diesem Kämpfertyp geformt hat: „Ich bewundere nicht nur Boxer. Sondern Leute, die sich durchkämpfen müssen im Leben. Nicht nur im Sport. Es gibt viele Menschen, die sozusagen einen Rucksack mitschleppen und sich durch bestimmte Umstände durchkämpfen müssen. Für solche Menschen hatte ich schon immer besondere Wertschätzung.“ Dieses Motto spornt ihn immer weiter an: NIEMALS AUFGEBEN!

„Natürlich braucht man Talent. Aber von all den Talenten schafft es ja immer nur ein ganz kleiner Prozentsatz ganz nach oben.“
Seine Bodenständigkeit beruht vor allem auf seinem Umfeld, denn wenn er zuhause oder bei Freunden ist, wird er nicht dauernd in den Himmel gehoben, sondern wird ganz normal behandelt. Er selbst sieht keinen Grund, sich über andere zu stellen. „Es gibt viele Menschen, die ihren Job gut machen, die nur die mediale Aufmerksamkeit nicht so bekommen.“
Bauer möchte, sobald er richtig in Bremen angekommen ist, ein Fernstudium in Richtung Event- oder Sportmanagement anfangen.
In der abgelaufenen Saison kam er zu 27 Saisonspielen und steuerte neben einem Tor gegen Hoffenheim auch drei Assists bei. Am 27. und 28. Spieltag fehlte er aufgrund eines Außenbandrisses im Sprunggelenk, doch er brauchte nur 15 Tage, um wieder fit zu werden, weil er niemals aufgab.


Stärken: Wir können seine Aussage, dass er niemals einen Zweikampf scheut, nur bestätigen, denn er geht in sehr viele Zweikämpfe und schaffte es, 54,4% dieser zu gewinnen. Vergleichsweise gewinnt ein Phillip Lahm circa 60% seiner Zweikämpfe. Auch die Anzahl der abgefangenen Bälle ist mit einem Wert von 2,84 Bällen pro Spiel exzellent. Seit der Systemumstellung von Bremens Trainer Alexander Nouri auf ein 3-5-2 System arbeitet Bauer mehr in der Offensive mit und macht dort auch mächtig Druck. Insgesamt bleibt er aber eher unauffällig. Doch was dabei sehr positiv auffällt ist, dass er einen ordentlichen Antritt und eine ebenso gute Sprintgeschwindigkeit hat, was ihm das Umschalten in die Defensive leichter macht. Auch seine Handlungsschnelligkeit ist dabei oftmals entscheidend und macht ihn zu einem der besten Bremer in der Defensive.

Bremens Fanliebling

Er klärte dank seines klugen Stellungsspiels 3,2 gefährliche Bälle pro Spiel und gewann 74% der Tacklings. Für diese permanente Balance zwischen Offensive und Defensive braucht es einen ausdauerstarken Außenverteidiger, wie es Robert Bauer ist. Seine allergrößte Stärke ist jedoch die Begeisterung die er bei den Fans mit seiner Spielweise auslöst, denn er ist absoluter Fanliebling, welcher viel Rückendeckung der gesamten Ostkurve genießt und mit diesem Enthusiasmus zum absoluten Leadertypen heranwächst. Das hat man auch in der Zeit des Formtiefs von Werder zu spüren bekommen, da er immer wieder mit breiter Brust auf den Platz ging und trotz zwischenzeitigem Tabellenplatz 17 für Journalisten Rede und Antwort stand.


Schwächen: In der Offensive könnte er präzisere Flanken schlagen, denn von seinen 25 Hereingaben kamen lediglich fünf an und auch sein Passspiel ist mit nur 71,4 % gewiss noch ausbaufähig.
Er scheut keinen Zweikampf, dennoch lässt er hin und wieder den Boxer raushängen und geht zu ungestüm in den Zweikampf. Auch andere individuelle Fehler, sei es ein Verschätzen vom Ball oder einfach nur ein Stellungsfehler, passieren ihm häufiger, doch dies ist ihm zu verzeihen, denn er spielt seine erste Profisaison als Stammkraft und muss noch mehr Konstanz in seine Aktionen bekommen!


Prognose: Bauer ist noch sehr jung und variabel einsetzbar. Dies macht ihn zur Mehrzweckwaffe und kann den Mannen von der Weser noch große Vorteile bringen. Mit Bremen sollte er jetzt noch ein bis zwei Saisons versuchen, um Europa zu spielen, um zu lernen seine guten Leistungen auch kontinuierlich abzurufen. Bauer reflektiert nach jedem Spiel, was nicht so optimal war und arbeitet hart an seinen Defiziten, denn er ist ein sehr zielstrebiger und vor allem kämpferischer Typ.
Auch sein Trainer Alexander Nouri sagt zu ihm: „(Robert Bauer) hat eine große Siegermentalität und ist wichtig für die defensive Stabilität. Wir sehen noch viel Potenzial in ihm.“
Er kann noch ganz wichtig für den SV Werder werden und sich eventuell sogar in den Fokus der Nationalmannschaft spielen, wo er sich mit Benjamin Henrichs, Felix Passlack und ein paar weiteren namhafte Konkurrenz haben wird. Trotzdem soll er seinen Weg gehen und wir wünschen ihm dabei alles erdenklich Gute!

Autor: Sven Thomas/ Stand: 01.06.2017

Alle Fähigkeiten auf einen Blick:

Stand: 01.06.2017/ Bild: pixabay.com