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Salih Özcan (20) - Der Lichtblick des Tabellenschlusslichts


Allgemeines: Im Alter von 15 Jahren bewies unser heutiges Talent wahre Größe und leistete wichtige Zivilcourage, indem er einem Jungen nach einem Straßenbahnunfall beistand. Nun fünf Jahre später ist er es, der seinem Heimatklub mit allem was er zu bieten hat ebenso zur Seite steht, um den drohenden Gang in Liga zwei abzuwenden. Die Rede ist von Salih Özcan vom 1. FC Köln! Mitten in jener Krise, in der der FC auf dem letzten Platz stand, setzte Ex-Trainer Peter Stöger bereits am sechsten Spieltag gegen Hannover 96 auf den 19-Jährigen. Und seitdem ist der Mittelfeldallrounder aus der ersten Elf nicht mehr wegzudenken, auch nicht unter dem neuen Interimscoach Stefan Ruthenbeck. Das Kuriose daran ist, dass um Özcan weniger Hehl gemacht wird, als beispielsweise um Lukas Klünter, Yann-Aurel Bisseck oder zuletzt Birk Risa. Denn der Mittelfeldmotor ist bereits so routiniert, dass man gar nicht mehr daran denkt, dass der Youngster gerade einmal 19 Jahre alt ist. Doch der Sieger der goldenen Fritz-Walter-Medaille 2016/17 ist zum Dreh- und Angelpunkt der Kölner geworden. Und so soll es auch in Zukunft weitergehen, weswegen man den Vertrag bis 2020 verlängerte, denn „Salih ist ein Kölner Junge und beim FC ausgebildet worden. Er kann hier das Gesicht der Zukunft werden“, sagt Ruthenbeck.

Einer der konstantesten Spieler in Köln

Özcan könnte die Schlüsselfigur des anstehenden Umbruchs werden, denn dieser wird bei einem drohenden Abstieg bitter notwendig sein. Bereits nach dem Trainingslager in Kitzbühel sagte Salih: „Ich will und werde jetzt richtig angreifen“ und als hätte er es geahnt, ist er jetzt laut „whoscored.com“ der konstanteste und sogar beste FC-Profi in der Krise. Auch seine erste Formkrise hatte er bereits, denn in der vergangenen Saison durfte er nach seiner gelb-roten Karte gegen Borussia Dortmund nur noch zu Kurzeinsätzen ran oder stand oftmals nur im Kader, kam aber nicht zum Einsatz. Peter Stöger forderte mehr Kampfgeist vom Deutsch-Türken und den erhielt er. Özcan entschied sich bereits seit der U15 für die deutsche Nationalmannschaft und sagte zuletzt auch, dass er im Moment keinen Grund darin sehe, sich doch noch für die türkische Nationalmannschaft zu entscheiden. In der aktuellen Saison durfte er in der Bundesliga 12 Mal von Beginn an ran und auch in der Europa League spielte er bereits fünfmal über die volle Zeit. In beiden Wettbewerben konnte er je eine Vorlage leisten.


Stärken: Bereits aus der Sportart des Ringens bringt Salih eine gewisse Robustheit mit, die er im Spiel gekonnt zu nutzen weiß. Er setzt seinen Körper bewusst gegen den Gegner ein, schirmt den Ball geschickt ab und beruhigt so das Spiel. Die Kombination aus Physis und Konzentrationsvermögen macht ihn im Mittelfeld zu einer absolut verlässlichen Anspielstation, denn der gebürtige Kölner verliert pro Spiel lediglich 1,84 Bälle.

Unabhängig davon, wo er im zentralen Mittelfeld eingesetzt wird, demonstriert er nicht nur eine hohe Laufbereitschaft und viel Engagement, sondern auch den Willen, auf dem Platz Verantwortung zu übernehmen. Im zentralen Mittelfeld ist er sehr variabel einsetzbar und dirigiert von seiner Position aus immer öfter die Laufwege, die seine Mitspieler gehen könnten.

Auf dem Weg zum Spielmacher im Kölner Mittelfeld

Seine Entwicklung ist bemerkenswert, denn er wird immer mehr zum Box-to-Box-Spieler, der ebenso eine Art Regisseur im Mittelfeld der Geißböcke darstellt. Denn das Angriffsspiel der Domstädter steuert das Talent mit einer hervorragenden Übersicht und Spielintelligenz aus der Tiefe heraus. Zudem verfügt er über eine herausragende Technik; er führt den Ball mit vielen kleinen und kurzen Kontakten am Fuß und schafft es so Gegenspieler auszuspielen oder den Ball schnell genug vor einem Ballverlust zum Mitspieler weiterzuleiten.

Defensiv zeigt er jedoch seine größten Stärken auf! Obwohl das Kölner Eigengewächs nur 1,82 Meter misst, kann man ihn getrost als "Herr der Lüfte" bezeichnen. Seine Sprungkraft und sein Timing sind dermaßen exzellent, dass er gefühlt kaum ein Kopfballduell verliert. Zudem löst Özcan Zweikämpfe gerne mit einem kompromisslosen Tackling, welches von ihm enorm präzise und fair ausgeführt wird. Dies ist mit ein Grund, warum der junge Rheinstädter sensationelle 56% seiner Zweikämpfe gewinnt und damit zu den zweikampfstärksten Mittelfeldspielern der Bundesliga gehört.


Schwächen: Seine wahrscheinlich größte Schwäche ist seine zu geringe Torgefahr, denn in seinen Offensivaktionen fehlt jegliche Effektivität, was sich auch in seinen Scorerpunkten bemerkbar macht. Auch Opta belegt dies stark, denn mit 0,09 Schüssen pro Spiel legt er einen desaströsen Wert hin. Vergleichbare Spieler auf derselben Position haben zumindest einen Wert von mindestens 0,4. Insgesamt macht er noch zu viele individuelle Fehler durch beispielsweise zu ungestümes Zweikampfverhalten. Unterläuft ihm ein Fehler, ist er sofort wieder auf den Beinen und zeigt unmittelbar aktionistisches Verhalten und versucht diesen wieder wett zu machen. Pro Spiel begeht er in der Regel 3,16 Fouls und belegt damit Platz 5 der unfairsten Bundesligaspieler, was jedoch nicht unbedingt nur negativ zu deuten ist.


Prognose: In der Rückrunde werden alle Augen auf den 1. FC Köln gerichtet sein und man kann gespannt sein, ob die Kölner nochmal hoffen dürfen oder ob es gnadenlos in Liga zwei geht. Salih Özcan könnte dabei eine zentrale Rolle spielen, nicht nur der Position wegen, sondern weil er gleichermaßen mit nur zarten 19 Jahren eine Führungsrolle bei den Kölnern annehmen muss. Falls der Weg in Richtung 2. Bundesliga führt, muss Salih Özcan sich entscheiden, ob er den Weg mitgeht, dem FC beim Wiederaufstieg hilft und gleichzeitig an seinen Schwächen arbeitet oder ob er den Verein verlässt. Aktuelle Gerüchte um ihn gibt es bislang aber nicht, die Letzten kamen im Sommer auf, als ihm ein Interesse seitens der Bayern und von Besiktas Istanbul nachgesagt wurde. Doch im Falle des Abstiegs werden viele Bundesligisten das Buhlen um den zentralen Akteur beginnen. Wir können uns bei ihm vorstellen, dass er mit höherer Torgefahr zu einem Spieler reifen könnte, der eine Verstärkung für jedes ambitionierte Team wäre. Nicht ohne Grund erhielt er zuletzt die Fritz-Walter-Medaille in Gold, vor Aymen Barkok (Silber) oder Gökhan Gül (Bronze). 2018 sollten alle die Augen auf ihn gerichtet haben, um gespannt abzuwarten, welchen Weg Özcan beschreiten wird …

Autor: Sven Thomas/ Stand: 09.01.2018

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