Stand: 25.11.2017/ Bild: commons.wikimedia.org

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Scoutbericht:

Allgemeines: In Deutschland kennt man bereits viele Iraner, die in der Bundesliga aktiv waren. Namen wie Ali Karimi, Vahid Hashemian und vor allem Ali Daei sind vielen ein Begriff, besonders weil Daei im Iran als Nationalheld gefeiert wird. Doch nun gab es schon seit einiger Zeit keine Iraner mehr, die wirklich für Furore sorgen konnten.

Das kann sich jetzt aber zum Glück wieder ändern, denn bei Rubin Kazan spielt wieder einer, der einen ähnlich großen Hype auslösen könnte wie Daei. Genau aus diesem Grund präsentieren wir euch heute den 22-jährigen Sardar Azmoun. Der 1,86m große Mittelstürmer, der auch als hängende Spitze auflaufen kann, zeigte nämlich in den letzten Jahren, dass man definitiv mit ihm rechen sollte und er der nächste Iraner werden könnte, der den Sprung in eine europäische Topliga schafft.

Geboren in Gonbad, was rund 50km von der Grenze zu Turkmenistan entfernt liegt, erarbeitete er sich langsam den Status, den er aktuell genießt, denn viele sehen in ihm den legitimen Nachfolger für den eben genannten Ali Daei, der in Deutschland unter anderem für Arminia Bielefeld, den FC Bayern München und Hertha BSC auflief. In der Jugend lief der jetzige Nationalspieler, der in 28 Länderspielen bereits 22 Treffer erzielen konnte, für Oghab Gonbad, Shamoushak Gorgan und Etka Gorgan auf.

Azmoun überzeugt gegen Ältere

Erst 2010 folgte dann der Wechsel in die Jugend des Sepahan FC. Dort wurden dann erstmals Scouts auf ihn aufmerksam. Auch der turkmenische Fußballfunktionär Ivan Daniliant erkannte 2012 schnell das Talent des beidfüßigen Angreifers, da dieser die gegnerischen Reihen zu diesem Zeitpunkt oft schwindlig spielte und als 17-Jähriger bereits in der U20-Nationalmannschaft des Iran mit starken Leistungen brillierte. Da Daniliant damals für den russischen Klub Rubin Kazan arbeitete, berichtete er Trainer Kurban Berdiyev von seinen Beobachtungen und bereits im Januar 2013 wechselte er dann in die zweite Mannschaft von Rubin Kazan.

Auch von Bedeutung bei der Realisierung des Wechsels war, dass Azmoun seinem Hobby weiterhin nachgehen konnte. Dies sagte auch Masoud Hossein in einem Interview mit SPOX: „Azmoun ist ein großer Freund des Pferderennsports und besitzt selbst sechs Tiere. Auch einige Preise haben seine Pferde bereits gewonnen. In der tatarischen Hauptstadt fand er dadurch sofort Anschluss." Trainer Berdiyev, der selbst ein strenggläubiger Muslim ist und immer mit Gebetskette auf der Trainerbank sitzt, galt damals als großer Förderer junger Talente und übernahm eine fast väterliche Rolle für den damals noch jüngeren Iraner.


Stärken: Was einem besonders ins Auge sticht, ist seine beeindruckende Statistik in der iranischen Nationalmannschaft. Trotz seines zarten Alters übernimmt er dort auch schon Verantwortung und ist somit ein sehr wichtiger Faktor des Teams. Eine weitere gute Eigenschaft stellt seine Wissbegier dar, denn er versucht sich jeden Tag zu verbessern, obwohl er schon recht weit in seiner Entwicklung ist. Ebenfalls ist seine mentale Stärke hervorzuheben, denn auch unter Druck gegen gute Gegner bringt er seine Leistung und kann seinem Team in vielen Situationen durch seine Qualitäten helfen.

Auf dem Platz ist er meistens nur sehr schwer berechenbar, denn durch seine Beidfüßigkeit sowie seine Flexibilität kann man einfach nicht sagen, was er in der nächsten Situation tun will. Obwohl viele Angreifer eigentlich eher den Weg in die Tiefe gehen und dadurch versuchen, Torgefahr auszustrahlen, geht er andere Wege und lässt sich gerne mal bis ins Mittelfeld fallen, um das Spiel aufzubauen und so gefährliche Angriffe selbst zu initiieren. Durch diese Läufe schafft er nicht nur sich selbst Platz, sondern auch seinen Mitspielern, die dann dadurch auch wieder anspielbar sein können.

Vergleiche mit Lionel Messi

Zwar möchte er nicht mit Lionel Messi verglichen werden, doch seine Ballkontrolle und seine sehr enge Ballführung sind meistens schon sehr stark, auch wenn nicht ganz auf dem Niveau des Argentiniers. Dadurch besitzt er auch im Dribbling dann Vorteile, in welchem er auch durch sein Tempo in den Eins-gegen-Eins-Situationen die Oberhand behalten und seinem Gegenspieler entwischen kann. Seine vielleicht größten Stärken liegen allerdings im Abschluss und ganz besonders im Kopfballspiel.

Ausgestattet mit einem eiskalten Abschluss und dem Torriecher kann er aber auch seine Mitspieler durch eine gute Übersicht optimal in Szene setzen. Auffällig ist, dass er speziell im letzten Drittel oft die richtigen Entscheidungen trifft und es dadurch auch schnell gefährlich werden kann. Im Strafraum helfen ihm dann meistens sein kluges Stellungsspiel sowie seine Reaktionsschnelligkeit, um den Verteidigern voraus zu sein.

Doch nun kommen wir zu seinem herausragenden Kopfballspiel. Zwar ist er schon relativ groß, doch torgefährlich wird er in der Luft erst durch die auffallend starke Sprungkraft, dank der er seine Gegenspieler einfach überspringt und dann den Ball bemerkenswert präzise ins Tor köpft. Auf diese Weise konnte er mittlerweile schon so einige Male für seine Vereine treffen.


Schwächen: Doch auch bei ihm ist noch nicht alles Gold was glänzt, denn er besitzt zum Beispiel noch nicht die Physis, um sich mit stärkeren Verteidigern in einer größeren Liga auf Dauer messen und durchsetzen zu können. An dieser arbeitet er aber wohl schon fleißig und regelmäßig im Fitnessraum. Auffallen tut auch, dass er es meistens nicht über die volle Distanz eines Spiels gehen kann, weil ihm dafür die nötige Fitness einfach fehlt.

Ebenso hat er noch Probleme mit seiner Konstanz, denn er hatte in seiner noch jungen Karriere schon häufiger Phasen, in denen er weder getroffen noch gut gespielt hat und auf dem Platz eher unsichtbar war. Auch das muss er ganz eindeutig abstellen, bevor es für ihn zu einem größeren Verein in eine stärkere Liga geht, denn sowas kann er sich dann nicht mehr erlauben.

Zwar gilt er an sich als mental äußerst gefestigt und bereit für größere Aufgaben, doch er ist ein sehr temperamentvoller Spieler, der sich hin und wieder auch mal schnell reizen lässt. Wir hoffen und denken jedoch, dass sich dies mit gesammelter Erfahrung schnell abstellen und somit deutlich verbessern lässt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist noch sein Passspiel, denn seine Passgenauigkeit mit aktuell nur rund 63% ist doch äußerst schwach für einen Spieler mit solchem Potenzial und Ambitionen. Abschließend muss man noch erwähnen, dass ihm natürlich auch noch die Erfahrung fehlt, dauerhaft auf hohem Niveau in einer der europäischen Topligen beispielsweise zu spielen, denn bisher agiert er in einer nicht allzu stark einzuschätzenden Liga und konnte daher nur vereinzelt in der Champions League diese Erfahrung sammeln, in welcher es bislang aber auch überzeugen konnte.


Prognose: In der laufenden Saison kann Azmoun leider nicht an seine zuvor gezeigten Leistungen anknüpfen und schafft es bisher nicht, sich bei Rubin Kazan durchzusetzen. Er kam zwar in den meisten Saisonspielen zum Einsatz, allerdings kommt er nicht wirklich zu viel Spielzeit und fungiert eher als eine Art Edeljoker als ein Stammspieler zu sein, was für einen solch talentierten Spieler wie ihn mit solchen Ansprüchen definitiv zu wenig ist.

Besonders erstaunlich ist für uns seine aktuelle Rolle auch, weil sein großer Förderer Kurban Berdiyev sein Trainer ist, der ihn schon zum Beginn seiner Zeit in Russland unterstützt hat, er aber dennoch seine Form nicht findet und nicht überzeugen kann. Überrascht waren wir im letzten Sommer aber auch von seiner Rückkehr zu Rubin Kazan, denn wir hatten eigentlich mit einem Wechsel in eine größere europäische Liga wie der Serie A, der Bundesliga oder sogar der Premier League gerechnet. Auch aus Vermarktungsgründen hätte seine Verpflichtung für ein Team aus den eben genannten Ligen mehr als nur Sinn gemacht, denn im Iran hält man große Stücke auf ihn und beobachtet seine Entwicklung genau, wodurch man einen großen Teil seiner Fans hätte hinter sich bringen können. Der Wechsel innerhalb Russlands scheint ihm unterdessen wenig gebracht und nicht gutgetan zu haben, weshalb wir diesen auch absolut als Fehler ansehen.

Deswegen hoffen wir nun erstmal für ihn, dass er seine Form wiederfinden und allen bald wieder zeigen kann, was er zu leisten imstande ist, und er sich so wieder für ausländische Klubs interessant macht. In ihm sehen wir das Potenzial, ein sehr guter Spieler in einer großen Liga werden zu können, allerdings muss er dafür nun möglichst schnell wieder überzeugende Leistungen abliefern und zugleich stark an seinen noch vorhandenen Schwächen arbeiten, damit er sich seinen Traum von der Premier League auch irgendwann erfüllen kann.

Autor: Florian Först/ Stand 25.11.2017

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