Stand: 10.12.2017/ Bild: commons.wikimedia.org

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Scoutbericht:

Saúl Ñíguez (23) – Atleticos laufstarker Kämpfer


Allgemeines: Wahrscheinlich ist er der Spieler, dem wir bisher von allen gescouteten Spielern den meisten Respekt zollen. Nicht nur auf dem Platz ist der 22-jährige spanische Nationalspieler von Atletico Madrid ein absoluter Kämpfer, sondern auch abseits davon. Wenn wir euch nun noch sagen, dass er seinen Vertrag erst in diesem Jahr bis 2026 verlängert hat, wisst Ihr wahrscheinlich, dass von Saúl Ñíguez Esclapez die Rede ist. Aber wir beginnen, wie es üblich ist, am Anfang seiner Karriere.

2008 wechselte das damals schon große Talent von der Jugend Real Madrids in die Jugend Atleticos. Ein beachtlicher Wechsel innerhalb Madrids, mit welchem er sich wahrscheinlich nicht nur Freunde gemacht haben dürfte. Dieser Wechsel kam aber alles andere als unerwartet, denn bei Real hatte es der Linksfuß sehr schwer und keinen leichten Stand. Er verließ den Verein wegen gravierenden Problemen abseits des Platzes, die er später auch ansprach und darüber erzählte: „Sie klauten mir die Stiefel, meine Mahlzeiten. Sie beschuldigten mich für Dinge, die ich nicht begangen habe. Sie überreichten dem Manager einen Brief, behaupteten er sei von mir, was er nicht war." Letztendlich habe ihm niemand im Klub geglaubt, weshalb er heute auch eine tiefe Abneigung gegenüber Real hat, was die Fans Atleticos natürlich so begrüßen.

Beim Stadtrivalen dagegen fühlte er sich direkt wohl und gut aufgehoben, was man auch an seinen überzeugenden Leistungen früh erkennen konnte. 2013 wurde der zentrale Mittelfeldspieler, der sehr flexibel auf vielen Positionen einsetzbar ist, an Ligakonkurrent Rayo Vallecano verliehen, um dort Spielpraxis in Spaniens Eliteliga sammeln zu können. Der Plan ging vollkommen auf und man bekam einen schon viel reiferen und abgeklärteren Spieler zurück.

Schwere gesundheitliche Probleme

Fortan konnte er sich nun bei Atletico behaupten und schaffte auch den Sprung in die erste Elf, für die er bereits im Alter von nur 17 Jahren und 108 Tagen sein Profidebüt in der UEFA Europa League gegeben hat. Jedoch gab es auch für ihn Momente und vor allem Rückschläge, die ihn massiv geprägt, ihm aber auch viel abverlangt haben. Schon zu seiner Zeit bei Rayo Vallecano hatte er immer wieder Probleme mit seiner Niere, nach einem Zusammenstoß mit Kyriakos Papadopoulos während eines Spiels in der Champions League in Leverkusen wurden diese jedoch schwerer und er musste sich letztendlich mit einem Nierenhämatom sowie starken Schmerzen herumplagen. Dazu sagte er folgendes: „Ich habe meine Gesundheit riskiert, um diese Farben zu verteidigen und meinen Traum zu erfüllen.“ Des Weiteren hat er laut eigener Aussage rund 2 Jahre mit einem Katheter spielen sowie nach jedem Training und jedem Spiel Blut urinieren müssen.

Aber auch das alles konnte ihn in seiner Entwicklung nicht bremsen und so spielte er auch trotz dieser Schmerzen sehr oft überragend. So auch in der abgelaufenen Saison, in der er durch neun Tore sowie vier Vorlagen in 53 Pflichtspielen zu überzeugen wusste. Diese über Jahre guten Leistungen sind natürlich nicht verborgen geblieben und so gab es immer mal wieder Gerüchte über einen möglichen Abgang. Demnach soll unter anderem Manchester United mit einem Angebot über 40 Mio. € gescheitert sein, da ein Wechsel weder für den Spieler noch für den Verein infrage kommt.

Ungewöhnliche Vertragsverlängerung

Nach der überzeugenden U21-EM in diesem Jahr, bei der er Torschützenkönig wurde und überragend aufspielte, kam dann der Paukenschlag, denn er verlängerte seinen Vertrag bis 2026, was eine Vertragslaufzeit von neun Jahren bedeutet und eine sehr ungewöhnliche Vertragslänge ist. Bereits weit vor der Vertragsverlängerung sagte er: „Wenn man mir einen lebenslangen Vertrag anbieten würde, wäre ich hocherfreut hier so lange zu spielen wie meine Beine es mir erlauben.“ In seinem neuen Vertrag gibt es jedoch weiterhin eine Ausstiegsklausel, welche bei rund 150 Mio. € liegen soll. Dennoch kann ein Interessent sich trotz Ziehens dieser Klausel nicht über einen Transfer sicher sein, denn der FC Barcelona hat sich damals beim Transfer von David Villa zu Atletico Madrid ein Vorkaufsrecht gesichert, durch welches man andere Angebote für Saúl Ñíguez innerhalb einer gewissen Zeit überbieten und ihn sich so sichern kann.


Stärken: An dieser Stelle sollte man erstmal erwähnen, dass der junge Spanier bereits ein sehr kompletter Spieler mit etlichen Stärken ist, der nicht mehr lange braucht, um in die Region der absoluten Weltklassespieler vorzustoßen. Beginnen wir mit seiner Flexibilität, durch welche er quasi eine Allzweckwaffe für seinen Trainer Diego Simeone ist, da man ihn auf fast jede Position stellen kann. In seiner noch jungen Karriere kam er im Profifußball schon als Innenverteidiger, zentraler defensiver Mittelfeldspieler, zentraler offensiver Mittelfeldspieler, zentraler Mittelfeldspieler, im rechten Mittelfeld sowie im linken Mittelfeld zum Einsatz. Dabei ist auch egal, ob er eher offensiv oder defensiv agieren soll, denn er kann beides.

Unbändiger Wille und Führungsqualitäten

Unvorhersehbar macht ihn zudem, dass er nahezu beidfüßig und daher noch weniger zu berechnen ist. Mental gesehen zeichnet ihn sein unbedingter Wille und auch seine außergewöhnliche Leidenschaft aus, durch die er auch perfekt ins System seines Trainers passt. Besonders an der Tatsache, wie er seine Nierenprobleme bewältigt hat und trotz der Schmerzen auf dem Platz seine Leistung brachte, sieht man auch, dass er ein bewundernswerter Kämpfer ist. Ebenso verfügt er schon jetzt über eindrucksvolle Führungsqualitäten, die er bei der diesjährigen U21-EM auch unter Beweis stellte und die spanische Auswahl so bis ins Finale führte. Diese wichtige Rolle, die er dort spielte, hat er mittlerweile aber auch unter Simeone inne und ist mittlerweile quasi unersetzlich geworden.

Dies ist er auch aufgrund seiner starken Ausdauer, durch welche er das gesamte Spiel über sehr viel unterwegs ist und am Ende von vielen Spielen der laufstärkste Spieler auf dem Platz war. Seine Fähigkeiten am Ball sind genauso beeindruckend, denn er ist gesegnet mit einer bemerkenswerten, eleganten Ballführung und Ballbeherrschung. Auch dank dieser besitzt er ein sehr sicheres sowie präzises Passspiel, bei welchem die Distanz der Pässe nahezu keine Rolle spielt und er auch seine imposante Übersicht beweisen kann. Gleichermaßen sollte man hier auch seinen starken ersten Kontakt hervorheben, durch welchen er oft auch mehr Zeit für die Entscheidungsfindung besitzt, welche ebenfalls eine seiner Stärken darstellt.

In der Offensive torgefährlich, in der Defensive abgeklärt

Beachtlich ist auch sein Verhalten unter gegnerischem Druck, denn aus diesem kann er sich aufgrund der eben schon erwähnten technischen Fähigkeiten und seinem ebenfalls guten Dribbling auch auf engstem Raum dann doch relativ leicht befreien. Vor dem gegnerischen Tor kann er mittlerweile genauso überzeugen und dank seiner hervorragenden Schusstechnik für mächtig Gefahr sorgen. Diese zeigte er erst neulich bei der U21-EM 2017, als er auch aus der Distanz sensationelle Schüsse hervorzauberte und sein Team mittels zahlreicher Tore ins Finale führen konnte. Doch auch defensiv weiß der Spanier durch eine aggressive und bissige Zweikampfführung mehr als nur zu überzeugen und besitzt auch die nötige Physis und den unbedingten Willen, um sich letztendlich durchsetzen zu können. Zusätzlich ist er auch in Kopfballduellen recht brauchbar und schaffte es letzte Saison, rund 51% seiner Kopfballduelle zu gewinnen. Darüber hinaus ist er mit einem beachtlichen Spielverständnis und einem guten Stellungsspiel ausgestattet, wodurch er auch viele Bälle abfangen kann.


Schwächen: Bei ihm auch nur eine Schwäche zu finden, war ziemlich schwer, weshalb wir auch nur einen Schwachpunkt bei ihm gefunden haben. Ab und an ist er nämlich ein wenig unkonzentriert und begeht so kleinere Fehler, welche er dann mit Fouls, die meistens dann taktischer Art sind, versucht zu beheben und er deshalb in der abgelaufenen Saison viele recht unnötige Verwarnungen gesehen hat.


Prognose: Niguez ist schon jetzt ein sehr wichtiger Spieler im System seines Trainers Diego Simeone und mit seiner Vertragsverlängerung hat Atletico auch gezeigt, dass er in der Zukunft eine große Rolle spielen und eines der Aushängeschilder des Vereins sein soll. Auch in der letzten Saison konnte er jegliche Kritiker überzeugen und war eigentlich auch stets gesetzt. Diese starke Saison konnte er dann bei U21-EM ebenfalls nochmal bestätigen und ein hervorragendes Turnier absolvieren, was natürlich auch nochmal die Interessenten für kurze Zeit auf den Plan rief.

Allerdings war auch danach ein Wechsel nie ein Thema für ihn und die Verlängerung seines Vertrages wurde auch schon bald bekanntgegeben. Beachtlich finden wir bei ihm, wie unfassbar komplett er schon jetzt ist, weswegen es auch kein Wunder ist, dass er schon jetzt so gut wie unersetzlich in Simeones System ist. Wir hoffen und wünschen es ihm auch, dass er nun nach den Rückschlägen und Verletzungen eine beschwerdefreie Saison spielen und sich so wieder vollkommen fit sowie frei präsentieren kann. Abschließend sehen wir in ihm das Potenzial, in den kommenden Jahren endgültig in die Riege der Weltklassespieler vordringen zu können und denken, dass er dann auch in der spanischen Nationalmannschaft eine große Rolle spielen wird. Jedoch sollte er dafür nun erstmal von Rückschlägen verschont bleiben und sein Potenzial weiter auf den Platz bringen.

Autor: Florian Först/ Stand: 10.12.2017

Alle Fähigkeiten auf einen Blick:

Stand: 10.12.2017