Top 10: Die besten Talente Argentiniens 2018/19

Die argentinische Nationalmannschaft konnte die Erwartungen bei der Weltmeisterschaft in Russland in keinster Weise erfüllen und schrie förmlich nach einer Generalüberholung. Wenngleich die „Albicelesete“ nicht gerade Werbung für Argentiniens Fußball machte, so ehern produziert die Liga weiterhin aufregende Talente am laufenden Band.

Letztes Jahr konnten wir Jungstars wie Lautaro Martinez, Cristian Pavon und Ezequiel Barco bei ihrem Durchbruch bestaunen, während Santiago Caseres, Nicolas Gonzalez und Marcelo Saracchi den Sprung nach Europa wagten. Da Argentiniens Eliteklasse in die neue Runde geht, wollen wir euch fünf weitere vielversprechende Gauchos vorstellen.


Exequiel Palacios // 19 // Club Atlético River Plate

Gerade das zentrale Mittelfeld setzte bei den russischen Sommerspielen kaum Akzente, umso erfreulicher sollte daher das Erscheinen des 19-jährigen Allrounders Exequiel Palacios für die Argentinier sein. Das in Tucumán geborene River-Eigengewächs zeichnet sich vor allem durch sein präzises Passspiel, Eleganz am Ball und seine beidfüßige Schussstärke aus.

Der 1,70 Meter kleine Mittelfeldspieler ist auf dem besten Wege, sich zu einem kompletten Spieler zu entwickeln, da er aufgrund seiner zugewonnenen Physis und Durchsetzungsstärke das Spiel gegen Ball aufwerten konnte. Im letzten Drittel des Spielfelds entwickelte er mehr Mut, auch mal die oder andere riskante Aktion zu wagen.

Vier Scorerpunkte in neun Einsätzen standen letzte Saison auf dem Konto Palacios, die bezeugen, dass Mut zum Risiko sich bezahlt macht. Die Hingabe, Professionalität und Fähigkeit, rasch aus seinen Fehlern zu lernen, resultierten anschließend in einem imposanten Entwicklungssprung des ehemaligen U20-Nationalspielers. Das ist auch Neu-Nationaltrainer Lionel Scaloni nicht entgangen, welcher Palacios am 8. September zu dessen Debüt beim 3:0 Erfolg über Guatemala in der Albiceleste verhalf.

In der Vorbereitung wusste Exequiel ebenso River-Trainer Marcelo Gallardo zu überzeugen und avancierte an der Seite von Ex-Valencia-Kicker Enzo Perez und Kolumbiens Nationalspieler Juan Quintero zum Stammspieler. In der laufenden Spielzeit steuerte er wettbewerbsübergreifend bereits zwei Scorerpunkte in fünf Einsätzen bei und bestätigt damit seine aufsteigende Form.


Marcos Senesi // 21 // Club Atlético San Lorenzo de Almagro

Auch wenn der 21-jährige Argentinier bisher nur wenig Erstligaerfahrung sammelte, so beeindruckte er mit dem FC Brügge, Atalanta und Torino schon zahlreiche ambitionierte europäische Erstligaklubs. Zusammen mit dem mittlerweile 36-jährigen Fabricio Coloccini bildet der junge Innenverteidiger das Zentrum in der Defensive, profitiert dabei von der geballten Erfahrung des ehemaligen Newcastle-Akteurs.

Senesi hinterließ in seinen 13 Ligaeinsätzen für El Ciclon in der abgelaufenen Saison einen bleibenden Eindruck und das gleichermaßen als Kapitän der U20 Argentiniens. Ein Linksfuß mit ordentlichem Stellungsspiel und einer gehörigen Portion Antizipationskraft, was 2,3 abgefangene Pässe pro Spiel ebenso untermauern.

Darüber hinaus hatte er entscheidenden Anteil daran, dass der Klub in 27 Spielen nur 20 Tore kassierte. Generell baut der Verein aus Buenos Aires in der Defensive auf die Jugend. Gabriel Rojas, Paulo Diaz und Nicolas Zalazar stehen sinnbildlich für eine verheißungsvolle Zukunft San Lorenzos.


Matías Zaracho// 20 //Racing Club

Nach dem Abgang von Lautaro Martinez zu Inter Mailand trägt der vielseitige Mittelfeldmann Matías Zaracho den Titel als das größte Talent der La Academia. Eigentlich ist der Mann mit der Nummer 28 im rechten Mittelfeld heimisch, doch aufgrund seiner Flexibilität kommt er unter Racing-Coach Eduardo „Chacho“ Coudet auf der Sechs neben Ex-Hamburger Marcelo Diaz zum Einsatz.

Das 1,72 Meter Fliegengewicht ist ein ungemein selbstloser Arbeiter, welcher sich für keinen Laufweg zu schade ist. Obendrein schmückt er sein Können durch Trickreichtum und ein intelligentes Passspiel.

Das bestätigte Transferziel Sporting Lissabons hat mittlerweile schon über 40 Ligaspiele für Racing auf dem Konto und gehört dank seines unermüdlichen Kampfgeistes zu den Publikumslieblingen. In der Copa Libertadores deutete er speziell beim 4:0 Erfolg über Vasco da Gama an, dass er für Trainer Chacho noch ein enorm wichtiger Protagonist werden kann.


Agustín Almendra// 18 // Club Atlético Boca Juniors

Mit der Vertragsverlängerung Christian Pavons (22) und den Boca-Talenten Nandez (22), Reynoso (22) und Neuzugang Sebastian Villa (22) besteht annähernd ein Dutzend der Mannschaft von Trainer Barros Schelotto aus vielversprechenden Jungstars. Dennoch könnte ein vier Jahre jüngerer Teenager allen die Show stehlen. Es geht um den gerade mal 18-jährigen Agustin Almendra.

Der aktuelle Kapitän der U20 Argentiniens ist ein großer, jedoch schlaksiger offensiver Mittelfeldspieler mit einer gewaltigen Schusskraft, welcher als klassischer Spielmacher auflaufen kann, oder als halbrechter Achter in einem 4-3-3-System.

Seine Bewegungsabläufe, Technik und Übersicht sorgten jüngst dafür, dass Agustin wiederkehrend mit Klublegende Juan Roman Riquelme verglichen wurde, während seine raumeinnehmenden Schritte in der Vorwärtsbewegung an Weltmeister Paul Pogba erinnern.

Mit gerade mal drei Ligaeinsätzen in der abgelaufenen Saison und einer mit Stars gespickten, titelambitionierten Boca-Truppe wird es schwer für den Rechtsfuß, regelmäßig Spielzeit zu generieren. Dennoch werden wir gewiss mehr als nur drei Einsätze in La Bombonera bestaunen dürfen und freuen uns auf den weiteren Werdegang dieses Rohdiamants.


Julián Carranza// 18 // Club Atlético Banfield

Ein weiterer 18-Jähriger, der für Aufsehen in der Primera Division sorgt, ist Banfield-Stürmer Julian Carranza. Der 1,82 Meter große Angreifer konnte in der vergangenen Spielzeit fünf Tore in 14 Ligapartien erzielen und deutete an, dass er für El Taladro diese Saison den Unterschied machen kann. Das ist auch einigen Klubs aus Europa nicht entgangen, die Carranza bereits auf ihren Notizzetteln verewigt haben sollen.

Abgesehen davon, dass Carranza primär ein Strafraumstürmer ist, vereint er zusätzlich Schnelligkeit und Dynamik in sich, einer der den Verteidigern keine ruhige Minute gönnt. Egal ob er den freien Raum durch beide Innenverteidiger attackiert oder aus dem Rücken der Defensive zu Großchancen kommt, seine Laufwege sind für sein Alter schon sehr ausgereift.

Beim Klub aus dem Vorort der Hauptstadt Buenos Aires ist er darüber hinaus optimal aufgehoben, da Talente dort die nötigen Einsatzminuten bekommen und sich in Ruhe entwickeln können. Mit Jungspund „Chelo“ Torres und dem ehemaligen Ajax-Routinier Dario Cvitanich besitzt Banfield genügend Feuerkraft in der Offensive, um diese Saison eine entscheidende Rolle in der Liga spielen zum können.


Kevin Mac Allister // 20 // Asociación Atlética Argentinos Juniors

Im Gegensatz zu seinem „Allein-im-Haus-Namensvetter“ ist Mac Allister Linksverteidiger und konnte in der Aufstiegssaison für Argentinos Juniors lobenswerte Leistungen an den Tag legen. Der Sohn des früheren argentinischen Nationalspielers Carlos ist einer von drei Brüdern, welche alle drei bei Argentinos, dem ursprünglichen Verein von niemand geringerem als Diego Armando Maradona, unter Vertrag stehen.

Betrachtet man die Albiceleste, dann fällt auf, dass gerade auf den defensiven Außenbahnen aktuell nur mittelmäßiges Spielermaterial zum Einsatz kommt. Daher besitzt Kevin durchaus realistische Chancen, eines Tages in die Fußstapfen seines berühmten Vaters zu treten.

Dank seiner Schnelligkeit, Antizipationsvermögen und Zweikampfstärke kam er in der abgelaufenen Saison auf exzellente 4,8 gewonnene Tacklings und herausragende 3,8 abgefangene Pässe pro Begegnung. Das Kuriose an diesen außergewöhnlichen Werten?

Der 20-Jährige ist eigentlich Rechtsfuß und kann daher ebenso auf der gegenüberliegenden Außenbahn zum Einsatz kommen. Zwar verliert der junge Südamerikaner ab und an noch die Konzentration, doch die Argentinos sind bekannt für ihre gute Jugendarbeit und geben den Spielern daher die Zeit sich zu verbessern.


Maximiliano Lovera// 19 // Club Atlético Rosario Central

Rosario ist eine reine Brutstätte für Fußballtalente, denn Central hat in den letzten Jahren namhafte Talente wie Angel di Maria (PSG), Giovani Lo Celso (PSG / Real Betis Sevilla) oder Franco Cervi (Benfica Lissabon) entwickelt. Der nächste in der Rosario-Dynastie könnte Rechtsaußen Maxi Lovera sein - klein, agil, mit einem niedrigen Körperschwerpunkt.

Alles Komponenten, die einen hervorragenden Dribbelkünstler ausmachen. Doch die kleine Zaubermaus kann mehr als nur dribbeln. Der tödliche Pass und Kreativität sind eine weitere Gabe des Gauchos. Aufgrund dessen wundert es auch nicht, dass der Edeltechniker auch als Spielmacher hängend hinter der Sturmspitze glänzt.

Möchte er in Europas Topligen bestehen, so muss er körperlich unbedingt zulegen und vor dem Tor kaltschnäuziger werden. Lovera ist der Kopf der vielversprechenden Jugendbande um Andres Lioi (21), Joaquin Pereyra (19), Leonel Rivas (18) und Agustin Maziero (20). Es wird diese Saison überaus spannend, ob Trainer Edgardo Bauza das Beste aus ihnen herauskitzeln wird.



Carlos Benavidez // 20 // Club Atlético Independiente

Independientes Neuzugang Carlos Benavidez ist ein perfektes Update für Ariel Holans Team. Der imposante und physisch starke defensive Mittelfeldspieler war einer der Protagonisten Uruguays U20-Nationalmannschaft, welche 2017 die Südamerikameisterschaft gewann. Carlos entlastete oftmals die letzte Abwehrreihe und zeigte mehr Qualitäten als die eines klassischen Staubsaugers.

Dominant in der Luft, schnell und kompromisslos im Tackling, wenn es gegen den Ball geht. Doch auch nach vorne konnte er vor allem in der Copa Libertadores mit drei Toren in sechs Einsätzen überzeugen.

Der 1,85 Meter-Hüne hat das Potenzial, bereits diese Saison zusammen mit Innenverteidiger Alan Franco (21) zu absoluten Schlüsselspielern bei Club Atlético zu reifen. Wir werden die Entwicklung weiterhin gebannt verfolgen.


Lucas Robertone // 21 // Club Atlético Vélez Sarsfield

Velez ist bekannt für die schier endlose Produktion von aussichtsreichen Jungspielern und Trainer Gabriel Heinze schenkt dabei nicht umsonst der Jugendakademie eine Menge Vertrauen. Nach den Abgängen von Caseres und Romero erhob sich Matias Vargas zunächst zum heißesten Eisen, doch gegen Ende der Saison stellte ihn der offensive Mittelfeldmann Lucas Robertone in den Schatten.

Der 21-Jährige erzielte letzte Saison in 16 Ligaeinsätzen fünf Tore und einen Assist. Mit seiner Schnelligkeit, harter Arbeit gegen den Ball und seiner Leidenschaft für das Spiel passt er perfekt ins Spiel von Velez-Coach Heinze. Primär wurde er aufgrund seiner Passaffinität und exzellenten Schusstechnik auf der Zehn eingesetzt, doch seine Schnelligkeit kombiniert mit einem präzisen Flankenspiel machen ihn zu einem flexiblen Mann, der über jeden Bereich des Spielfelds gefährlich werden kann, auch über die Außen.

Lucas Robertone ist ein Mann, den sich jeder Hobbyscout merken sollte, da der Argentinier die ganze Bandbreite eines Spielmachers in sich vereint und darüber hinaus aufopferungsvoll in der Defensive aushilft. Zusammen mit Nico Dominguez (20), Francisco Ortega (19) und Luis Abram (22) plus Thiago Almada (17) bildet er eine attraktive Jugendbewegung beim Club aus Buenos Aires, welcher sich dank seiner hervorragenden Jugendarbeit seit vier Jahren in der Primera Division etabliert hat.


Gastón Lódico// 20 // Club Atlético Lanús

Es ist zwar nur knapp ein halbes Jahr her, dass Lanus im Finale der Copa Libertadores stand, doch es fühlt sich wesentlich länger an. Vor allem wenn man das Team von El Granate betrachtet, fällt einem auf, dass es überspitzt gesagt bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurde. Weder der Trainer noch zahlreiche Schlüsselspieler konnten gehalten werden. Ein Neuanfang musste her, daher sah man sich gezwungen, diesen Weg mit der Jugend zu vollziehen. Einer dieser jungen Wilden ist Gaston Lodico.

Der eifrige und technisch beschlagene zentrale Mittelfeldspieler hat nicht nur ein geschultes Auge für den tödlichen Pass, sondern besitzt obendrein außergewöhnliche Skills bei ruhenden Bällen. Für seine zarten 20 Jahren demonstrierte er eine überraschend konstante Konzentration, die sich gleichermaßen in seiner Passquote wiederspiegelt. Denn in seiner Debütsaison in Argentiniens höchster Spielklasse kam er auf solide 85,8 Prozent erfolgreicher Pässe!

Angesichts seines enormen Potentials trägt er diese Saison bereits eine hohe Verantwortung auf seinen zierlichen Schultern, doch eröffnet es ihm auch die Möglichkeit, sich ins Rampenlicht europäischer Kiebitze zu spielen und dadurch die Grundlagen für einen Sprung über den großen Teich zu legen.

Autor: Sascha Baharian/ Stand: 08.09.2018