Stand: 15.10.2017/Bild: facebook.com/TheoHernandezOficial15/

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Scoutbericht:

Allgemeines: Wie es sein muss, sich vor Millionen von Menschen bei der eigenen Präsentation beim neuen Verein zu blamieren, erlebte der 19-jährige Theo Hernandez in diesem Sommer. Der Linksverteidiger, der für 30 Mio. € vom Stadtrivalen Atletico Madrid kam, war sichtlich nervös und wirkte alles andere als souverän am Ball, beim üblichen Jonglieren für die Kamera verlor er die Kontrolle über den Ball. Es wurde angezweifelt, ob der Franzose das Geld wert sei und er überhaupt eine Chance bei den Königlichen habe. Doch wir werden euch mit dem folgenden Bericht jeglichen Zweifel nehmen.

Bankdrücker sein reicht ihm nicht

Theo wurde am 06.10.1997 in Marseille geboren und ist sowohl der Bruder von Lucas Hernandez, der bei Atletico Madrid unter Vertrag steht, als auch der Sohn von Jean-Francois Hernandez, der in Frankreich bei beispielsweise Olympique Marseille Profi war. Seit 2007 durchlief er die Jugendmannschaften von Atletico Madrid und wurde für die Saison 2016/17 an den Aufsteiger Deportivo Alaves verliehen. Er forcierte den Wechsel, da er nicht den Bankdrücker hinter Felipe Luis abgeben und lieber Spielpraxis sammeln wollte. Dies war eine der besten Entscheidungen, die er treffen konnte, denn am 28. August 2016 debütierte er gegen Sporting Gijon und wurde prompt unter Trainer Mauricio Pellegrino zum Stammspieler. Ein halbes Jahr später galt er als einer der drei besten Linksverteidiger der LaLiga neben Marcelo und Jordi Alba. Am Ende der Saison stand man auf dem guten 9. Platz und zudem im Finale der Copa del Ray, dem spanischen Pokal gegen den großen FC Barcelona. Zwar verlor man dieses mit 1:3, doch niemand geringeres als Theo erzielte das zwischenzeitliche 1:1 mit einem direkten Freistoß, der Cilessen keine Chance ließ und genau in den Winkel ging.

Wechsel zum Stadtrivalen

In der erfolgreichen Saison machte er stark auf sich aufmerksam, sodass viele Topklubs an ihm Interesse zeigten. Letztendlich wurde es zu einem Wettbieten zwischen Barca und Real, wobei Letztere sich die Dienste des Linksfußes sichern konnten. Er kam für eine Ablöse von 30 Mio. Euro und soll Marcelo ersetzen, falls dieser ausfällt. Auf dieser Position sah man dringenden Handlungsbedarf, da man seit längerer Zeit unzufrieden mit Coentrao war. Nun soll Theo von Marcelo lernen und hat in der langen Saison, die neben der LaLiga auch die Champions League und den spanischen Pokal beinhaltet, mit Sicherheit genug Möglichkeiten, um mit seinen Qualitäten zu überzeugen.
Man traut ihm bei Real zu, der nächste starke Linksverteidiger zu werden. Er selbst sagt über seinen Wechsel: „Ich bin sehr begeistert und glücklich, beim besten Klub der Welt zu sein. Ich danke den Fans für den Empfang bei meiner Präsentation.“ Es sei die beste Option gewesen, zu Real zu gehen: „Jetzt will ich von den besten Spielern der Welt, die hier sind, lernen.“


Stärken: Theo ist ein blitzschneller Linksverteidiger, der die linke Seite hoch und runter rennt und dabei nie müde wird. Besonders wichtig für Alaves machten ihn seine Offensivläufe, denn er war immer für einen Assist gut. Er kreierte 21 Chancen, was ein Wert ist, der von keinem anderen U23-Verteidiger erreicht und nur von sechs anderen Ü23-Spielern in den fünf Topligen Europas überboten werden konnte.

Große Offensivqualitäten

Sein Dribbling ist dabei ein fundamentaler Teil seines Spiels und macht ihn so begehrt. Trotz der Position des Verteidigers ist er der zweitbeste Teenager in Sachen gewonnene Dribblings, zumindest wieder in den fünf Topligen. Auch seine Flanken kommen meist sehr präzise und sorgen egal auf welcher Höhe für Gefahr im Strafraum. Obwohl es seine erste Profisaison war, wirkt er sehr abgeklärt und spaziert ganz cool mit seiner enormen Geschwindigkeit und seinem brillanten Dribbling durch die Reihen der Gegner. Offensiv ist er dadurch nur schwer zu stoppen. Bei seinem Freistoßtor gegen den FC Barcelona zeigte er bereits, dass er eine außergewöhnliche Schusstechnik hat und auch ein Kandidat für ruhende Bälle sein kann.

Aber auch in der Defensive überzeugend!

Doch da er als Linksverteidiger nicht nur angreifen, sondern auch verteidigen muss, zählen auch seine Defensivfähigkeiten. Dort konnte er nämlich auch vollkommen überzeugen und führt mit seinen 55 gewonnenen Tacklings die Statistik in den Topligen unter den Teenagern an. Insgesamt hatte nur Malang Sarr mehr Defensivaktionen als er. Bei Zweikämpfen geht er bewusst mit seinem robusten Körper rein und weiß genau, wie er den Gegner stoppt. Dabei ist er sehr hartnäckig und lässt sich nicht so leicht abwimmeln. Vielmehr geht er mit einer gesunden Aggression in den Zweikampf und lässt sich von Tricks und Spielereien nicht begeistern. Auch bei den ersten Spielen im Trikot der Königlichen wirkt er sehr selbstbewusst und auch alles andere als nervös.


Schwächen: Zwar haben wir seine ruhenden Bälle gelobt, doch sein Abschluss per se ist, bei all seinen Offensivläufen, nicht sehr berauschend, was auch seine Schussgenauigkeit belegt. Er schoss insgesamt 26 Mal in Richtung Tor, sieben Schüsse gingen dabei aufs Tor, 15 daneben und die übrigen vier wurden abgeblockt. Er sollte also versuchen, dass er den Ball öfter auf das gegnerische Tor bekommt, denn die Schusstechnik besitzt er ohne Zweifel. Mit seinen ganzen Offensivläufen muss er ebenso aufpassen, dass er nicht seine Mannschaft in die Gefahr eines Konters bringt, denn zwar kann er bei Real viel mit nach vorne gehen, da sie meist das Spiel selbst gestalten und die Außenverteidiger dort eine offensivere Rolle einnehmen, doch die Gegner lauern geradezu auf Konter, die sie dann über die linke Seite suchen könnten. An seiner Disziplin muss er ebenfalls arbeiten, denn in der vergangenen Saison sah er bei Deportivo 12 gelbe und eine rote Karte, da bei ihm schnell mal die Sicherungen durchbrennen. Sein rechter Fuß wirkt insgesamt mehr als Standbein, deswegen könnte er daran noch arbeiten, denn auf der linken Außenbahn lässt sich auch mit einem starken rechten Fuß viel anfangen.


Prognose: Warum dieses Juwel von den Madrilenen sowie den Katalanen gejagt wurde, sollte jetzt durchaus klar sein. Speziell sein Offensivdrang und sein einmaliges Dribbling sind Dinge, die man so schnell nicht lernen kann. Unter Zinedine Zidane wird er mit Sicherheit genug Spielpraxis gegen den ein oder anderen LaLiga-Konkurrenten bekommen und sich somit gut weiterentwickeln können. Mit dem Wechsel zu Real Madrid hat er sich ein hohes Ziel gesetzt, doch da er dort direkt hinter Marcelo gesetzt ist und man mit ihm die Zukunft plant, sollte er diesen Schritt nicht bereuen. Er ist bereits jetzt einer der besseren Linksverteidiger der spanischen Liga und kann in ein paar Jahren der Beste der Liga und vielleicht sogar der Welt werden. Auch für die französische Nationalmannschaft wird er zwangsläufig ein Thema werden und wird dort in Zukunft mit den anderen Youngsters sicherlich einige Titel feiern.

Wir hoffen, dass er in Madrid genügend Spielpraxis sammeln und viel von Marcelo lernen wird. Speziell beim Umschwung von der Offensive zur Defensive zeigt er jetzt schon herausragende Qualitäten, doch er kann sich nichtsdestotrotz noch das ein oder andere von Marcelo abschauen. Auch an seiner Disziplin wird sein Trainer Zidane arbeiten und den jungen Wilden etwas zähmen.
Wir sehen in ihm das Potenzial zum absoluten Weltstar, der weltweit ein großes Ansehen hat und national sowie international überzeugen wird. Langfristig wird er irgendwann Marcelo ersetzen und sich bei Real zu einer wichtigen Stütze entwickeln. Jetzt heißt es für ihn erstmal, die Erfahrungen in der spanischen Hauptstadt zu sammeln und so sehr wie möglich von sich zu überzeugen.

Autor: Sven Thomas/ Stand: 15.10.2017

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