Stand: 12.06.2017/ Bild: commons.wikimedia.org

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Allgemeines: Manchester United steht unmittelbar davor, Victor Lindelöf für rund 35 Mio. € fest zu verpflichten. Portugiesische Medien berichteten darüber, dass Benfica-Präsident Luis Filipe Vieira sich auf nach England gemacht hat, um den Verkauf des Innenverteidigers mit den "Devils" abzuschließen. Auch wenn ManU-Trainer José Mourinho darauf hofft, mit dem 23-jährigen Schweden seine Innenverteidigung zu stärken, wird er zudem auch mit Real Madrid, Barcelona und Newcastle United in Verbindung gebracht.

Doch wo kommt dieses noch unbeschriebene Blatt eigentlich her? Geboren und aufgewachsen ist der 1,87m Hüne in Vaskeras, einer Stadt, die früher einen wichtigen Handelsplatz der Wikinger darstellte und nur 100km westlich von Schwedens Hauptstadt Stockholm entfernt liegt. Dass Lindelöf Wikingergene in sich trägt, die früher als körperlich sehr starke Krieger galten, ist bei seiner Physis und Spielweise kaum zu übersehen. Seine fußballerische Laufbahn begann bei verschiedenen lokalen Vereinen, darunter auch das Drittliga-Team Vasteras SK, mit dem er 2010 in die Superettan (2. Liga) aufstieg. Im darauffolgenden Jahr etablierte er sich nicht nur bei seinem Verein, sondern auch in Schwedens Jugendnationalmannschaft. Das Team aus der Provinz Västmanlands län konnte sich nicht lange zweitklassig halten und stieg 2012 wieder aus der Superettan ab.

Früher Wechsel nach Portugal

Benfica Lissabon verpflichtete daraufhin Lindelöf zum Jahreswechsel 2012/13 für seine Jugendabteilung als er gerade mal 17 Jahre jung war. Nach außerordentlichen Leistungen und dem Gewinn der portugiesischen Jugendmeisterschaft 2013 sollte der Rechtsfuß in der Reservemannschaft des Klubs den nächsten Schritt Richtung Profifußball angehen. Dies gelang ihm in den anschließenden Spielzeiten dermaßen gut, dass er am letzen Spieltag der Saison 2014/15 sein Debüt für Benficas Profiteam feiern durfte. Sein Durchbruch gelang ihm nur eine Spielzeit später, als er von den Verletzungen der gesetzten Stammspieler profitieren konnte. Er überzeugte mit seiner Ruhe und seinem Selbstbewusstsein und hatte maßgeblichen Anteil am Titelgewinn Benficas.

Der steile Aufstieg des "Eismanns"

Ebenso galt er auch als Talisman für die "Adler", da man 13 von 14 Spielen, in denen er neunzig Minuten auf dem Platz stand, für sich entscheiden konnte und mit zwei Punkten vor Lokalrivale Sporting Meister wurde. Doch es war Wunderkind Renato Sanches, der bekanntermaßen im Hauptfokus stand und den meisten Applaus einheimsen konnte. Dennoch blieben die exzellenten Leistungen des sogenannten "Eismanns" den Kennern der Szene nicht verborgen. Dass der vielseitige Defensivakteur in seiner ersten Profisaison so stark aufspielen würde, war zu diesem Zeitpunkt kaum zu erwarten. Seine Aktie stieg gleichermaßen beim sensationellen U21-EM Titelgewinn Schwedens, bei dem Lindelöf absoluter Stammspieler war und enormen Anteil am erstmaligen Erfolg der Skandinavier in einem Jugendturnier hatte. Zusammen mit seinen Teamkollegen Filip Helander und Oscar Lewicki wurde er obendrein in die „Mannschaft des Turniers“ gewählt.

Am 24. März 2016 war es dann auch in der A-Nationalmannschaft soweit und er durfte gegen die Türkei in Antalya sein Debüt geben. Nur drei Monate später wurde er für die Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich nominiert. In allen drei Gruppenspielen stand er in der Startelf und gehörte zu den Spielern, die alle Partien über die volle Spielzeit absolvierten. Dennoch musste man sich nach der Vorrunde als Gruppenletzter verabschieden.


Stärken: Besonders imposant ist die körperliche Präsenz des jungen Schweden, mit der er in Zweikämpfen selten physisch gesehen den Kürzeren zieht und absolut standfest wirkt. Ebenso erkennt er sehr schnell Lücken in den eigenen Reihen und läuft diese mit seiner enormen und zugleich für seine massive Statur überraschenden Schnelligkeit effektiv zu und klärt in gefährlichen Situationen. Dank seines außerordentlichen Stellungsspiels konnte er in 32 Spielen großartige 110 Bälle klären, fast doppelt so viele wie Bayerns Mats Hummels in der Bundesliga.
Eine weitere Fähigkeit, die ihn auszeichnet, ist seine Vielseitigkeit, da er sowohl als Rechtsverteidiger, aber auch als defensiver Mittelfeldspieler gleichermaßen beeindrucken konnte.

Übernimmt Verantwortung und geht mit starker Zweikampfführung voran

Aufgrund seiner Größe und Kraft ist er in der Luft sehr präsent und verliert daher nur selten ein Kopfballduell. Darüber hinaus ist sein Timing beim Tackling, wie einst bei Rio Ferdinand, nahezu perfekt, denn er gewinnt unglaubliche 94% und bleibt zugleich äußerst fair. Er kassierte lediglich eine gelbe Karte in der abgelaufenen Liga NOS-Saison und zeigte auch schon in den vorherigen Saisons eine faire Spielweise. Besonders sein Pass- und Aufbauspiel ist mit eine seiner größten Stärken, denn Lindelöf hat den Mut, Verantwortung zu übernehmen und den Ball wenn es nötig ist auch mal bis zur Mittellinie zu führen, um dann einen präzisen, aufbauenden Pass zu spielen. Zudem gehört er mit 89% Passgenauigkeit zu den besten Abwehrspielern Europas und das, obwohl er auch gerne den langen Ball spielt. In Portugal haben sie ihm den Spitznamen "Eismann" gegeben, da er selbst unter starkem Pressing des Gegners absolut fokussiert und ruhig am Ball bleibt und sich in keinster Weise davon beeindrucken lässt.


Schwächen: Manchmal kann eine Stärke auch zugleich eine Schwäche bedeuten. Denn wenn er sich ins Offensivspiel einschaltet, hinterlässt er natürlich eine Lücke in der Abwehr. Dies wussten sich ab und an die Gegner zu Nutze zu machen und konnten dann bei plötzlichem Ballverlust, teils auch durch Lindelöf selbst verschuldet, tödlich zurückschlagen. Der Innenverteidiger muss noch lernen, mehr Balance in seine Ausflüge nach vorne zu bringen, da jeder Ausflug ein gewisses Risiko mit sich trägt. Ein weiterer Faktor, der noch mehr Risiko birgt, ist, dass der Skandinavier ab und an zu lange braucht, um sich vom Ball zu trennen oder eine Entscheidung zu finden und dann den Ball unnötig hergibt.

Timing noch ausbaufähig

Zudem versäumt er es hin und wieder, den "richtigen" Pass zu spielen und bringt seine Mitspieler mit "undankbaren" Pässen in Not. Dennoch konnte man bereits beobachten, dass er speziell daran arbeitet und schon gute Fortschritte erzielen konnte.
Auch wenn sein Stellungsspiel für sein Alter schon recht gut ist, weiß sich Lindelöf bei schnellen Kontern über die Flügel noch nicht richtig zu positionieren und gewährt dem Gegner damit Passoptionen.


Prognose: Wie man sehen kann, überwiegen beim jungen Schweden zweifellos die Stärken, denn die Schwächen wurden auf hohem Niveau erörtert und sind absolut veränderbar. Selbst Landsmann Zlatan Ibrahimovic traut dem "Eismann" den Sprung zu einem Spitzenclub zu:

"Ich denke, dass Victor tolle Dinge zeigt, er spielt gut für Benfica und wird nun auch eine Menge Verantwortung in der Nationalmannschaft erhalten, er entwickelt sich gerade. Ich denke auch, dass er gut genug für die Spitzenklubs da draußen ist, es liegt nun an ihm, was er will und was die Situation hergibt.  Egal wofür er sich entscheidet, er wird davon profitieren."

Während der ehemalige United-Spieler Jesper Blomqvist ihn sogar mit Rio Ferdinand vergleicht:

"Ich sage nicht, dass er aktuell auf demselben Level wie Ferdinand damals ist, aber er ist auf dem besten Wege dorthin!"


Sicherlich würde ein Wechsel zu Manchester United und Trainer José Mourinho die ideale Kombination für Lindelöf sein, um den Sprung zur Weltklasse zu schaffen. Der Portugiese weiß genau wie man eine perfekte Defensive organisiert und Lindelöf könnte unheimlich von diesem Erfahrungsschatz profitieren und zu einer wichtigen Institution für den englischen Rekordmeister werden.

Autor: Sascha Baharian/ Stand: 12.06.2017

Alle Fähigkeiten auf einen Blick:

Bild: pixabay.com